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Datenschützer warnt vor Versicherungstarif mit Wanze im Auto

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Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert rät dringend von der Wahl eines neuen Kfz-Versicherungsangebots der Sparkassen ab, bei dem das Fahrverhalten mit einem Telematik-System überwacht wird. Die darüber erhobenen Informationen seien "sehr detailliert und sensibel", erklärte er gegenüber der Tageszeitung. Darüber könnten umfangreiche Bewegungsprofile erstellt werden mit Informationen etwa über Wohn- und Arbeitsstätte, besuchte Personen, persönliche Gewohnheiten und davon abweichende Situationen.

Aus der Werbung für S-Drive

(Bild: sparkassen-direkt.de)

Im Großen und Ganzen sei der angebotene Tarif zwar rechtskonform, vermutet der Datenschützer. Das Angebot müsse unbedingt freiwillig bleiben. Ohne Einwilligung der Versicherungsnehmer sei das Modell unzulässig. Würden die Daten erst einmal erhoben, weckten sie weitere Begehrlichkeiten, meint Weichert weiter. Die Polizei etwa dürfte derlei Informationen anfordern wollen. Die Ermittler könnten sich etwa die Namen aller Versicherungsteilnehmer zukommen lassen, die bei einem Unfall vor Ort gewesen seien. So würden Rasterfahndungen erleichtert. Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte derlei Modelle ebenfalls sehr kritisch gesehen, da damit eine "freiwillige" Vorratsdatenspeicherung des Kfz-Halters verknüpft sei.

Die Sparkassen-Direktversicherung (S-Direkt) hatte im November ihr Telematik-Angebot vorgestellt. Der Vertragspartner akzeptiert damit den Einbau einer GPS-Blackbox von Telefónica in sein Auto, das über Beschleunigungssensoren, GPS-Antenne, GSM-Modul und eigene Stromversorgung verfügt. Wenn das Fahrzeug bewegt wird, übermittelt das Gerät alle 20 Sekunden Informationen an das zuständige Datenzentrum nach London. Ist die Zündung abgestellt, erfolgt einmal pro Stunde eine Standortangabe.

An S-Direkt übermittelt Telefónica einmal pro Monat einen Score-Wert, der angeblich Auskunft über die Fahrsicherheit gibt. Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit oder starkes Beschleunigen sowie Bremsen führen neben anderen Faktoren zu Abzügen. Wer einen bestimmten monatlichen Durchschnittswert an Punkten pro Monat einfährt, erhält fünf Prozent Rabatt. Die Jahresmiete der Box selbst beträgt 71,40 Euro, sodass sich ein durchgängiger besonnener Fahrstil nur bei sehr hohen Versicherungssummen auszahlt. Der hiesige Vermarkter stellt daher Zusatzfunktionen wie automatische Notrufe, Unfallmeldungen oder Hilfen für das Auffinden des Autos aus der Ferne in den Vordergrund.

[Update 07.01.2014 - 9:40 Uhr] In der Meldung stand ursprünglich, dass die GPS-Blackbox auch über ein Mikrofon und einen Lautsprecher verfügt. Nach dem Hinweis von Telefónica Deutschland, dass das nicht der Fall ist, wurde dies aus dem Artikel gelöscht. (mho)

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