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Datenschutz als Generationenkonflikt

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Nach Ansicht des IT-Sicherheitsexperten Bruce Schneier wird bei der kontroversen Diskussion um den Schutz der Privatsphäre im Cyberspace ein weitreichender Generationskonflikt sichtbar, der bislang wenig debattiert werde. Während die ältere Generation den Schutz von privaten Daten eine große Bedeutung beimesse, gehe die junge Generation mit diesem Problem eher locker um, sagte Schneier auf der Konferenz Computers, Freedom and Privacy (CFP) in Montreal.

Die heute 20-Jährigen, die mit Fernsehsendungen wie Big Brother aufgewachsen seien, hätten ein eher laxes Verhältnis im Umgang mit Privatheit. Die traditionellen Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen realer und virtueller Welt verschwämmen immer mehr. Der Voyeurismus, den die TV-Shows befriedigen, fände seine Entsprechung in einem bislang nicht gekannten Exhibitionismus. Junge Leute stellten bedenkenlos alles über ihre Person ins Netz, teils um Aufmerksamkeit zu erzeugen, teils auch nur, um ihr eigenes Leben zu dokumentieren. Das fange bei den massenweisen Postings von Bildern von der Geburt der eigenen Kinder an und ende mit Videos aus dem Intimbereich.

Von diesem neuen Drang zur Selbstdarstellung lebten die Marktführer des Web 2.0, von Facebook, über MySpace bis zu YouTube. So betrachtet, hätten die jungen Leute dann auch weniger Probleme mit staatlicher Überwachung: Da man selbst ja angeblich nichts zu verbergen habe und sich umfänglich in der Öffentlichkeit präsentiere, sehe man sich nicht als Opfer behördlicher Beobachtung und empfinde sie nicht als Beschneidung von individuellen Bürgerrechten.

Schneier warnte jedoch vor einer allzu paternalistischen Verteufelung dieser für die ältere Generation ungewohnten Praktiken des Umgangs mit Privatheit und Schamgrenzen. In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts habe die damalige Elterngeneration durch Rock'n'Roll, Drogen und freier Liebe auch den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Jede Generation entwickele halt ihre eigene Kultur; die Kultur der Internetnutzung der Zukunft werde nicht von den Verhaltensweisen der "Väter des Internet", sondern von den Nutzerpraktiken der Internet-Enkel geprägt werden.

Der Unterschied, betonte Schneier, zwischen damals und heute bestehe jedoch darin, dass es vor 40 Jahren noch die "Gnade des Vergessens" gegeben habe. Heute hingegen sei das, was einmal im Netz dokumentiert ist, dort für ewig gepostet und auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch abrufbar. Was die jungen Leute, die den "feinen Unterschied" heute ignorieren oder einfach nicht mitbekommen, dann sagen werden, wenn sie bei einer Bewerbung, Beförderung oder Berufung mit ihren eigenen Privatstories und Partyvideos von "anno dazumal" konfrontiert werden, stehe auf einem anderen Blatt.

Siehe dazu auch:

Zur CFP 2006:

Zur CFP 2005:

(Wolfgang Kleinwächter) / (jk)

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