Datensouveränität: Deutsche Cloud von 1&1 Ionos und Nextcloud

Die beiden deutschen Firmen verknüpfen Teile ihrer Dienste für die Cloud und Online-Kollaborationen, um Nutzer besser vor US-Datenzugriffen zu schützen.

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1&1 Ionos und Nextcloud haben eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Die beiden deutschen Unternehmen wollen zusammenarbeiten, um Nutzern "die maximal mögliche Souveränität über ihre Daten" zu ermöglichen. Beide Firmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland. Nutzer erhielten damit den größtmöglichen Schutz vor Zugriffen auf Basis des US-Cloud-Acts, hieß es am Freitag in Berlin.

Nextcloud-Kunden können im Rahmen der neuen Zusammenarbeit ihre Daten und Anwendungen auf der Ionos-Infrastruktur nutzen und sie so laut den Partnern "unter voller Kontrolle selbst anpassen und zusätzliche Funktionalitäten hinzufügen".

Beide Anbieter setzen zudem auf freie Software, was ihnen zufolge nicht bei allen großen US-Konkurrenten der Fall ist. Der konsequente Einsatz offener Standards sorge für Transparenz, betonte der Ionos-Vorstandsvorsitzende Achim Weiß. "Jeder kann zu jeder Zeit den Code einsehen, auf Sicherheitslücken prüfen und bei Bedarf auch ändern." Zudem sei es nur auf Open-Source-Basis möglich, Daten und Applikationen mit anderen Systemen einfach zu verknüpfen.

"Datensouveränität ist für viele Kunden eine unabdingbare Voraussetzung bei der Nutzung von Cloud-Diensten, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen", ergänzte Nextcloud-Geschäftsführer Frank Karlitschek. Dies gelte sowohl für Kunden aus dem öffentlichen Sektor als auch aus der freien Wirtschaft. Die Kooperation soll Nutzern so insgesamt mehr Rechtssicherheit geben.

In den kommenden Monaten wollen die beiden Firmen die Zusammenarbeit ausbauen und auch institutionelle Anwender dafür sensibilisieren, dass empfindliche Daten besser bei europäischen Anbietern aufgehoben seien als etwa bei Amazon, Google oder Microsoft. Ionos entstand 2018 aus dem Zusammenschluss von 1&1 Internet sowie dem Berliner Service-Anbieter ProfitBricks und ist auch bei der Initiative Gaia X für eine europäische Cloud an Bord.

Microsoft Deutschland hatte Ende 2015 das Modell einer speziellen Cloud-Lösung für Deutschland zusammen mit der Deutschen Telekom als Datentreuhänder vorgestellt, um Sorgen von Kunden aufgrund des Cloud-Acts zu begegnen. Der Konzern wollte damit technisch gar nicht mehr in der Lage sein, Forderungen US-amerikanischer Behörden auf Datenherausgabe zu folgen. Mitte 2018 verabschiedete sich Microsoft aber wieder von dem Konzept. Der IT-Riese begründete das Aus damit, dass die Kunden oft auch global tätig und nationale Grenzen damit für sie nicht entscheidend seien. (vbr)