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Dating-App Grindr gab HIV-Daten von Nutzern an Fremdunternehmen weiter

Die bei homo- und bisexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr ist wegen der Weitergabe von HIV-Daten an zwei Datendienste in die Kritik geraten. Das Unternehmen hat jetzt reagiert und teilt diese Informationen künftig nicht mehr mit Fremdunternehmen.

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Grindr stoppt Weitergabe von Nutzer-HIV-Daten an Fremdunternehmen

(Bild: Grindr)

Die Macher der Dating-App Grindr wollen künftig keine Angaben ihrer Nutzer über mögliche HIV-Infektionen mehr an Fremdunternehmen zu übermitteln. Am Montag hatte CNN mit Berufung auf die schwedische Non-Profit-Forschungsorganisation SINTEF berichtet, Grindr habe sensible Daten von Nutzerprofilen inklusive E-Mail-Adresse, GPS-Lokalisierung, HIV-Status und Angaben zum letzten Datum eines HIV-Tests an die beiden Datendienste Apptimize und Localytics weitergegeben. Die beiden Datendienste wurden von Grindr unter anderem zur Nutzeranalyse und Performance-Verbesserung der App genutzt.

Grindr hat dem Bericht zufolge nun die beiden Unternehmen dazu aufgefordert, die Daten zu löschen. Apptimize soll das bereits getan haben, bei Localytics sei der Löschprozess angestoßen worden. Nach Angaben von Grindr sollen die Unternehmen die Daten nicht weitergegeben haben. Auch seien keine Nutzerdaten direkt an weitere Unternehmen weiterverkauft worden.

SINTEF hatte nach Angabe von CNN herausgefunden, dass Grindr die sensiblen Daten teilweise im reinen Textformat und unverschlüsselt weitergegeben habe, die Daten hätten also bei der Übermittlung von Hackern eingesehen werden können. Grindr hat dies in einer Stellungnahme jedoch bestritten: Die Daten seien immer sicher verschlüsselt übermittelt worden.

SINTEF-Forscher Antoine Pultier kritisierte gegenüber BuzzFeed News, dass die HIV-Daten zusammen mit der E-Mail-Adresse und GPS-Daten übermittelt wurden. Dadurch ließe sich ein Zusammenhang mit einer konkreten Person herstellen. Sollten diese Informationen in falsche Hände geraten, könnten Homosexuelle und HIV-Positive identifiziert und gesellschaftlich gebrandmarkt werden.

Grindr wies in einer Stellungnahme darauf hin, sie sei eine Plattform, auf der Benutzer Informationen über sich öffentlich machen können – darunter auch den eigenen HIV-Status. Die Benutzer könnten jedoch über die Privatsphäre-Einstellungen das Teilen von Informationen einschränken. Insgesamt solle jeder Nutzer selbst überprüfen, welche Informationen er über sich bei Grindr mit wem teilt.

Grindr, mit nach eigenen Angaben mehr als 3,5 Millionen Nutzern täglich, hatte am vorigen Mittwoch eine Funktion eingeführt, die seine User daran erinnert, regelmäßig HIV-Tests in Abständen von drei oder sechs Monaten durchzuführen. Die Erinnerungsfunktion könne dazu beitragen, dass mehr Tests durchgeführt und damit HIV-Erkrankungen frühzeitig festgestellt werden, um die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen, meint das Netzwerk.

Bereits 2014 war die Dating-App Grinder in die Kritik geraten. Damals soll die Anzeige des Standorts einzelner User in der App vom ägyptischen Geheimdienst dazu benutzt worden sein, um Jagd auf homosexuelle Männer zu machen. Grindr hatte daraufhin die Standortangabe in einigen Ländern automatisch unkenntlich gemacht, darunter neben Ägypten auch in Russland, Saudi-Arabien und Nigeria. (olb)

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