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David Levy: Sollten Menschen Roboter heiraten dürfen? Warum nicht?

Der "Love and Sex with Robots"-Kongress am Goldsmith College in London beschäftigt sich nicht nur mit der körperlichen Seite der Liebe. Schachmeister und KI-Experte David Levy erklärt, warum Roboter für manche Menschen gute Lebenspartner sein könnten.

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(Bild: Youtube/ Björk - All is Full of Love )

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"Noch vor einer Generation hätten wir eine Konferenz wie diese nicht abhalten können" sagt Levy, der mit seinem 2007 erschienenen Buch "Love and Sex with Robots" das Forschungsgebiet rund um Partnerroboter wesentlich prägte. Es stimmt, öffentlich in dieser Weise über Liebe und Sexualität in Verbindung mit Technik zu sprechen, wäre vor 30 Jahren aus vielerlei Gründen schwierig gewesen. Allerdings hatten die Veranstalter auch jetzt noch mit Problemen zu kämpfen. Geplant war die Konferenz bereits im vergangenen Jahr in Malaysia. Bis der zuständige Polizeichef dem Vorhaben eine Absage erteilte und den Veranstaltern sogar mit Gefängnisstrafen drohte. Die Begründung: Die Erforschung von Sex mit Maschinen sei keine Wissenschaft und "lächerlich".

Nun ließe sich dieser Vorfall leicht als religiös motivierte Entscheidung abtun, Malaysia ist ein muslimisch geprägtes Land. Verboten ist der wissenschaftliche Austausch in London nicht. Aber mit Tabus haben die Forscher auch in säkularen Ländern zu kämpfen. Deutliche Zeichen dafür sind die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Fördermitteln oder die mangelnden Möglichkeiten, Forschungen zu publizieren. Es klingt einfach zu sehr nach Porno, nicht nach Wissenschaft – und spiegelt dabei genau die Bedenken, die auch der malaysische Polizeichef hatte.

Für Levy ist all das Teil des Entwicklungsprozesses der Gesellschaft. Als Indikator für sich rapide ändernde Moralvorstellungen erinnert er an den Wandel der Ehegesetzte in westlichen Gesellschaften seit den 1950er Jahren. Erst knapp 70 Jahre ist es her, dass in den USA das Verbot von "Mischehen" abgeschafft wurde. Gleichgeschlechtliche Ehen sind seit 2001 in immer mehr Ländern legal, die Niederlande legten damals vor, weitere Staaten folgten. In diesem Klima der gestiegenen Akzeptanz hält Levy auch Ehen zwischen Menschen und Robotern in naher Zukunft für möglich.

Welche Voraussetzungen müsste ein Roboter erfüllen, um eine Ehe mit einem Menschen eingehen zu können? Levy nähert sich der Frage aus einer rechtlichen Perspektive. Sein Ansatz: Wer eine "Persönlichkeit" hat, sollte auch das Recht auf Heirat haben. Zustimmung, Verständnis über das eigene Handeln und Entscheidungsfähigkeit sind Faktoren, die der Roboter vor der Ehe nachweisen müsste. Doch besteht überhaupt Bedarf nach einer solchen Diskussion? Abgesehen von der noch nicht ausgereiften Technik: Würden Menschen eine solche Ehe eingehen wollen? Levy ist ein Verfechter der Idee, dass Roboter für einige Menschen willkommene Partner wären. Für Alte und Kranke zum Beispiel, und für all diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Partner finden. Laut Levy wäre die Welt ein glücklicherer Ort, wenn Menschen, die unter ihrer Einsamkeit leiden, sich geliebt fühlen könnten.

Nicht alle sehen potenzielle Mensch-Roboter-Ehen in einem so positiven Licht. Obwohl auf der Konferenz mehrheitlich Wissenschaftler vertreten waren, die den Einsatz von Sex- und Liebesrobotern befürworten (oder zumindest nicht verbieten möchten), gab es auf Levys Ausführungen viele skeptische Antworten. Ein wichtiger Einwand war die Frage, wie man feststellen könnte, ob der Roboter der Ehe wirklich zustimmt, oder ob er nur darauf programmiert wurde. Hätte ein Roboter das Recht, die Scheidung zu fordern? Und warum überhaupt noch an einem Konzept wie der Ehe festhalten, wenn sich Moralvorstellungen ohnehin im Umbruch befinden?

Levy sieht sich selbst nicht als Philosoph und hält sich zum Beispiel bei Fragen nach der Definition des Menschlichen lieber zurück. Stattdessen verweist er darauf, dass der Wandel schon längst im Gange ist – ob es uns gefällt oder nicht. Bis 2050 wird es nach Levys Einschätzung noch dauern, bevor eine Mensch-Roboter-Ehe aus technischer Sicht denkbar ist. Bleibt zu hoffen, dass der gesellschaftliche Dialog mit dieser Geschwindigkeit mithalten kann.

Die nächste "Love and Sex with Robots"-Konferenz findet im Oktober 2017 in Eindhoven in den Niederlanden statt. Die Vorträge der diesjährigen Konferenz werden als Open Access-Artikel in einem Sammelband veröffentlicht. Mehr Informationen dazu auf loveandsexwithrobots.org.

(kbe)