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Days Gone angespielt: Ein Kessel Buntes aus Zombieland

Das Open-World-Survival-Abenteuer Days Gone ist ein spannender Trip durch die Postapokalypse. Leider bedient es sich sehr freizügig bei der Konkurrenz.

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(Bild: Andreas Müller)

Mit Days Gone steht ein weiteres Zombie-Survival-Abenteuer ins Haus und langsam darf man fragen: „Schon wieder?“. Es ist nicht so, das die Genre-Liste gerade kurz ist: The Last of Us, State of Decay oder Metal Gear Survive boten den immer gleichen Mix aus pandemischer Weltuntergangsstimmung und Zombieapokalypse. Die Macher von Days Gone werfen noch eine Prise Far Cry und Sons of Anarchy hinein und fertig ist ein Eintopf aus altbekannten Ideen und einer zugegeben packenden Story – exklusiv für die Playstation 4.

Die Handlung spielt in einer nicht so fernen Zukunft. Eine geheimnisvolle Epidemie macht aus friedlichen Bürgern Zombie-ähnliche Freaks und die Armee evakuiert die Städte. Mitten in diesem Chaos glaubt Biker Deacon St. John, dass seine geliebte Frau Sarah gestorben ist und zieht mit seinem Bruder Boozer als Kopfgeldjäger durch die Zombie-verseuchte Natur. Knapp zwei Jahre später tauchen Hinweise auf, dass seine Frau noch lebt und Deacon macht sich auf die Suche nach ihr.

So ganz ohne Komplikationen funktioniert das natürlich nicht. Zuerst muss Deacon sein Motorrad aufpimpen, den kranken Bruder verpflegen oder für die örtlichen Überlebenden-Camps Auftragsarbeiten durchführen. Mit seinem Motorrad düst Deacon von einem Auftrag zum nächsten: mal muss er einen Dieb fassen, mal die Basis einer Sekte ausheben oder Personen in Sicherheit bringen. Dabei markiert er wie in Far Cry seine Gegner mit dem Fernglas und erledigt sie aus dem Hinterhalt wie in The Last of Us. Wenn er mal nicht auf Storywegen unterwegs ist, kann Deacon verlassene Labors erkunden oder wie in State of Decay die Nester der Zombie-Freaks ausheben. Für jeden erfolgreichen Auftrag erhält Deacon Erfahrungspunkte, die er in neue Fähigkeiten investiert.

Ein bisschen darf auch gecraftet werden: Aus Ästen werden Pfeile für die Armbrust gemacht, aus einem Lumpen und Kerosin entstehen sehr nützliche Molotov-Cocktails und mit Schrott repariert er sein Motorrad oder zerbrechliche Nahkampfwaffen. Für jeden getöteten Zombie-Freak gibt es ein Kopfgeld, das Deacon in einem Camp gegen Geld einlösen kann, um dort Ausrüstung zu kaufen. Allerdings ist nicht jedes Camp gleich: Während das eine Camp auf Motorräder spezialisiert ist, kann Deacon an einem anderen Ort bessere Waffen kaufen. Dafür muss er sich aber erst das Vertrauen der Bewohner verdienen, in dem er für sie Aufträge ausführt.

Diese Konkurrenz zwischen den Camps und ihren Anführern ist in unseren Anspielstunden eine der seltenen originellen Ideen im Spiel. Nebenbei muss Deacon darauf achten, dass sein Motorrad genug Sprit hat oder der Weg zum nächsten Camp frei ist – nur so kann er die komfortable Schnellreise-Funktion nutzen. Scheucht er bei seinen Erkundungen eine ganze Horde Freaks auf, wird sein Abenteuer zu einem nervenaufreibenden Überlebenskampf. Meist hilft da nur die Flucht.

Angespielt: Days Gone (5 Bilder)

Deacon kämpft nicht nur gegen Zombies, sondern auch gegen die Anhänger einer Sekte.

Dass es trotz der altbekannten Spielmechaniken ein unterhaltsamer und spannender Überlebenstrip geworden ist, liegt an der düsteren Atmosphäre und den vielschichtigen Charakteren. Die Welt von Days Gone ist nicht schwarz-weiß, sondern ziemlich grau. Gut und Böse verschwimmen und aus der netten Oma wird schnell eine autoritäre Anführerin, die ihre Untergebenen wie Sklaven hält. Die Botschaft: Jeder muss hier Grenzen überschreiten, um am Leben zu Bleiben. Aus diesem moralischen Dilemma zieht Days Gone seine Stärken, die es in spielerischer Hinsicht vermissen lässt.

Days Gone ist Vieles: ein spannendes Open-World-Abenteuer, ein packender Überlebenskampf und ein nervenaufreibender Horror-Trip. Nur eines ist es in unseren Anspielstunden ganz gewiss nicht: eigenständig. Die Macher bedienen sich schamlos bei Spielen wie The Last of Us, State of Decay oder Far Cry und entwickeln nie so etwas wie ein unverwechselbares Spielprinzip. Ohne das düstere, moralisch-ambivalente Szenario wäre Days Gone nur ein weiteres Zombie-Survival-Abenteuer. So kriegt das Spiel aber gerade noch so die Kurve, bevor es sich auf ausgetretenen Genre-Pfaden verirrt.

Days Gone (ab 45,99 €) erscheint am 26. April exklusiv für die PS4. Das Spiel kostet ca. 70 Euro. USK ab 18. Für unseren Artikel haben wir haben wir es ein paar Stunden gespielt.

[Update 25.4., 16:10 Uhr: Anmerkung zur PS4-Exklusivität in ersten Absatz eingefügt.]
(jube)