DeNIC-Führung: Zurück auf Los [Update]

Die DeNIC eG, Betreiber (Registry) der Registrierungsdatenbank für die Länderdomain .de, wird zum Wochenende ihre Vorstandsposten neu ausschreiben. Auch die ehemalige Vorstandsfrau Sabine Dolderer könnte sich neu bewerben.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 37 Beiträge
Von
  • Monika Ermert

Die DeNIC eG, Betreiber (Registry) der Registrierungsdatenbank für die Länderdomain .de, wird zum Wochenende ihre Vorstandsposten neu ausschreiben. Die Verträge mit den beiden amtierenden Vorstandsmitgliedern Stephan Deutsch und Andreas Bäß wird man im Wege einer "ordentlichen Kündigung" zum Jahresende auflösen, heißt es beim DeNIC. Neu ausgeschrieben werden sollen dann nur noch zwei hauptamtliche Vorstandsposten, die eines Chief Executive Officer (CEO) und die eines Chief Technical Officer (CTO). Bis zur Trennung von Vorstandsfrau Sabine Dolderer im März war das DeNIC von drei hauptamtlichen Vorständen (CEO, CTO und ein Chief Financial Officer, CFO) geleitet worden. Der neue Vorstand besteht dann künftig aus vier Vorstandsmitgliedern, neben den zwei hauptamtlichen Mitgliedern sind noch zwei ehrenamtliche mit von der Partie.

Der in Folge des Streits um die Trennung von Dolderer von der Generalversammlung im Mai neu gewählte Aufsichtsratsvorsitzende, Elmar Knipp, teilte auf Anfrage von heise online mit, man begrüße auf jeden Fall eine erneute Bewerbung aller "Ehemaligen". Neben den Ehemaligen könnten sich aber auch Personen bewerben, die aus der Mitarbeiterschaft kämen, von Mitgliedsfirmen stammten oder vielleicht noch gar keine Berührung mit dem DeNIC hatten, betonte Knipp.

Die letzte Generalversammlung im Mai habe gezeigt, dass die Mitglieder mit der durch die plötzliche Trennung von Dolderer entstandene Situation nicht zufrieden seien. "Da gibt es Für und Wider für verschiedene Richtungen", meinte Knipp. Um die Situation zu bereinigen, habe man sich dafür entschieden, in einem "klaren und fairen Prozess" allen die Möglichkeit zu geben, "sich neu zu positionieren". Über Gehaltsvorstellungen werde man dann mit Bewerbern sprechen, die auf die Shortlist aufgenommen würden. Auf jeden Fall seien die Positionen interessant, erlaubten sie doch, eine zentrale Infrastruktur in Deutschland mit zu gestalten.

Der Streit um die DeNIC-Führung hatte zu heftigen Debatten in der Genossenschaft und der Ablösung der Mehrheit der verantwortlichen Aufsichtsräte geführt. Begründet worden war der Schritt mit unüberbrückbaren Differenzen im dreiköpfigen Führungsteam. Dolderer selbst hatte von Uneinigkeit über die zukünftige Positionierung des DeNIC gesprochen. Eine viel diskutierte Frage ist, inwieweit das DeNIC sich als technischer Dienstleister anderer neuer Adresszonen (etwa .berlin) betätigen soll.

Ob im künftigen Zweierteam die von Teilen der Mitgliedschaft zurückgewünschte Dolderer wieder mit einem der noch amtierenden Kollegen zusammenarbeiten kann, ist nach den bisherigen Debatten fraglich. Eine Anfrage beim DeNIC, ob die beiden amtierenden Vorstandsmitglieder Andreas Bäß und Stephan Deutsch wieder antreten werden, wurde zunächst nicht beantwortet. Dolderer teilte auf eine Anfrage von heise online mit, sie wolle im Moment keine Stellungnahme abgeben.

[Update: Wie Stephan Deutsch und Andreas Bäß, die beiden amtierenden hauptamtlichen Vorstände, inzwischen über die DeNIC-Pressestelle verlauten ließen, werden sie ins Rennen um die beiden Vorstandsposten gehen – und zwar "gemeinsam als das ideale Management-Team für die DeNIC".]

Kritische Stimmen warnten nach der Ankündigung der Ausschreibung vor möglichen arbeitsrechtlichen Schwierigkeiten. Auch das Fortbestehen einer Interim-Situation bis zum Jahresende und während der anstehenden Umzüge von Büro und Rechenzentrum wird von manchen Beobachtern als wenig glücklich gesehen. Dem DeNIC steht bis Ende des Jahres neben viel Arbeit so auch eine fortgesetzte Personaldiskussion bevor.

Siehe dazu auch:

(Monika Ermert) / (jk)