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DeNIC-Genossen stimmen für .net-Bewerbung

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Die DeNIC-Genossen haben sich auf ihrer Generalversammlung in Frankfurt mehrheitlich dafür entschieden, die Genossenschaft in das Rennen um die .net-Registry zu schicken. 64 der angereisten Mitglieder stimmten für die .net-Bewerbung, sagte DeNIC-Aufsichtsratsmitglied Eric Schätzlein kurz nach der Sitzung gegenüber heise online. Acht Mitglieder wollten das Projekt NASA (.net-Application and Strategic Alternatives) nicht mittragen und vier weitere enthielten sich. Der Vertrag von VeriSign, derzeit Betreiber von .net und .com, läuft im Juni kommenden Jahres aus. Bis dahin soll ein Vertrag mit dem Gewinner der Ausschreibung unter Dach und Fach sein.

Die Kritik der "NASA-Gegner" zielte laut Schätzlein vor allem darauf, dass die DeNIC-Führung Details der Vereinbarung aus Wettbewerbsgründen vorerst noch geheim halten will. Immerhin mussten die Mitglieder dem Vorstand für die Bewerbung ein Budget von rund 1,25 Millionen Euro genehmigen. Diese Summe hat der DeNIC-Vorstand für die Ausarbeitung der Bewerbung, die von ICANN geforderte Bewerbungsgebühr von 200.000 US Dollar und Werbemaßnahmen wie Sponsoring-Aktivitäten beim bevorstehenden ICANN-Treffen in Kapstadt kalkuliert.

Auch heikle juristische Fragen wie die, welche genaue Rechtsform eine von der Genossenschaft verwaltete .net-Registry bekommen soll, mochte die DeNIC-Spitze ihren Mitgliedern noch nicht beantworten. Da das DeNIC betont, dass es auch .net ebenso wie .de nicht-kommerziell betreiben will, muss auch noch eine Konstruktion wie eine Stiftung her, um die Gewinne unters Netzvolk zu bringen. Nach groben Schätzungen macht VeriSign aktuell vermutlich rund 15 Millionen Dollar US-Gewinn mit der Registry.

Als einen Grund für die Geheimhaltung nennt die DeNIC-Spitze auch den Umstand, dass der voraussichtlich schärfste Konkurrent, VeriSign selbst, als DeNIC-Mitglied in der Generalversammlung sitzt. Ein Vertreter sparte in der Versammlung laut Beobachtern nicht mit Kritik an der DeNIC-Bewerbung, zu der der juristische Beirat und auch das Justizministerium hätte gehört werden müssen. Außerdem dürfte auch die vorangegangene Indiskretion eines oder einzelner Mitglieder, durch die der NASA-Plan vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangte, die DeNIC-Spitze misstrauisch gemacht haben. Heute bat man die Mitglieder daher um eine Art "Vertrauensvotum" zum Weitermachen. Erst mit Ablauf der Bewerbungsfrist bei ICANN am 18. Januar werden sie die Bewerbung zu Gesicht bekommen.

Spannend bleibt aus DeNIC-Sicht nun, ob weitere ccTLD-Bewerber oder andere Konsortien wie etwa der Council of Registrars (CORE) noch ins Rennen gehen. Beim ICANN-Treffen in Kapstadt wird das .net-Thema zumindest inoffiziell eines der Hauptthemen sein. Offiziell, so Beobachter, werden ICANNs Juristen versuchen, das Thema nicht prominent auf die Tagesordnung zu setzen, um insbesondere VeriSign, mit dem man sich nach wie vor vor Gericht streitet, nicht allzu viel Angriffsfläche zu bieten. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (anw)

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