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DeNIC und ICANN formalisieren ihre Zusammenarbeit

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Die deutsche Domainregistrierstelle DeNIC eG und die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) haben in einem Briefwechsel ihre jeweiligen Zuständigkeiten beschrieben und damit ihre Zusammenarbeit auf eine formale Grundlage gestellt. Das schreiben der DeNIC und die ICANN heute in gleichzeitig veröffentlichten Pressemitteilungen. Mit diesem offiziellen Briefwechsel (PDF-Datei) soll laut DeNIC-Vorstandsmitglied Sabine Dolderer die Zusammenarbeit auf ein stabiles Fundament gestellt werden. DeNIC sicherte ICANN im Rahmen der Zusammenarbeit einen Jahresbeitrag von 85.000 Euro zu. Der Betrag liege im Rahmen der Vorjahresbeiträge für ICANN, sagte DeNIC-Sprecher Klaus Herzig. Im übrigen versichert die Registry, dass sie für den stabilen Betrieb der de-Zone sorgt.

ICANN wird von dem US-Handelsministerium dazu gehalten, vertragliche Bindungen zu Länderregistries einzugehen. Diese Vereinbarungen gehören laut dem Memorandum of Understanding zwischen ICANN und US-Handelsministerium zu den Vorbedingungen für eine vollständige Privatisierung der ICANN. Bislang hatte man wegen der zu strengen Auflagen damit allerdings große Schwierigkeiten. Seit neuestem bietet ICANN auf der Basis neuer "Rahmenregelungen zur Verantwortlichkeit" zwei Varianten zur Regelung des Verhältnisses der nationalen Registries mit ICANN an. Das DeNIC hat davon den am wenigsten formalisierten "Briefwechsel" anstelle der ebenfalls möglichen Vereinbarung mit detaillierteren Verpflichtungen, zum Beispiel Laufzeit oder Schlichtungsverfahren für den Streitfall gewählt. Das DeNIC sei die erste Registry, die eine solche Vereinbarung nach dem neuen Brief-Modell (PDF-Datei) mit ICANN getroffen habe, betont Dolderer.

ICANN verpflichtete sich gegenüber dem DeNIC, für den reibungslosen Betrieb der Rootname-Server Sorge zu tragen, Änderungen eigener Kontaktadressen innerhalb von sieben Tagen mitzuteilen und Änderungen bei den .de-Nameservern entsprechend den Vorgaben des DeNIC rasch einzutragen und darüber Buch zu führen. Verzögerungen bei solchen Nameserver-Updates hatten in der Vergangenheit immer wieder zu Streit zwischen den Managern verschiedener Länderdomains und der ICANN geführt. Den Gipfel der Auseinandersetzung löste die Forderung ICANNs aus, Zugriff auf das vollständige Zone-File – also die Einträge aller de-Domainregistrierungen – zu erhalten. Nach der Pleite des Backbone-Carriers KPNQWest zögerte ICANN das Update der Nameserver mehrerer Länderdomainmanager hinaus, die auf schnellen Umzug ihrer Server aus des Pleitiers gezwungen waren, und forderte erst einmal die Zustimmung für den Zugriff auf die Daten.

In den jetzt ausgetauschten Briefen ist von einem solchen Zugriff keine Rede. Anders als in einzelnen Verträgen, die ICANN mit anderen Länderdomains abgeschlossen hat. So muss etwa die afghanische Länderdomain den Zonenzugriff durch das ICANN-Büro in Marina del Rey gestatten. Die Domainregistrierstellen in Taiwan oder Nigeria verpflichten sich immerhin zur Bestellung eines externen Dienstleisters zur Hinterlegung der Zonendaten. Die Mehrzahl der bislang zwischen ICANN und Länderdomainmanagern abgeschlossenen Vereinbarungen sind umfängliche Verträge, die auch detaillierte Verpflichtungen zur Einhaltung der von ICANN beschlossenen Regeln beinhalten. Das DeNIC hat sich gegen einen solchen umfänglichen Vertrag mit der ICANN immer gewehrt und vor einer "Superregistry" ICANN gewarnt. (Monika Ermert) / (anw)