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Debian: Erneute Diskussionen um Systemd

Zwei Vorschläge für Grundsatzentscheidungen zum Umgang mit Systemd sorgt für erneute Diskussionen innerhalb der Debian-Entwicklergemeinde. Sie könnten Auswirkungen auf den geplanten Freeze von Debian 8.0 Jessie haben.

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Eine von Ian Jackson vorgeschlagene Grundsatzentscheidung (General Resolution, GR) hat für ein erneutes Aufflammen der Debatte über den Init-Dienst Systemd geführt. Im Kern geht es darum, ob allgemeine Anwendungen und Desktopsysteme Abhängigkeiten zu einem bestimmten Init-Dienst haben dürfen oder nicht.

Ziel ist es, zu verhindern, dass Entwickler ohne technische Notwendigkeit Paketabhängigkeiten zu einem Init-System definieren und dadurch dieses Init-System de-facto als Standard festschreiben. Würde die überwiegende Zahl der Pakete so festgelegt, wäre ein Wechsel auf ein anderes Init-System kaum mehr durchführbar, weil ein Großteil der Pakete damit in Konflikt stünde. Die Unterstützer des Vorschlags wollen festlegen, dass nur Init-Dienste sowie die dazugehörigen Tools und Management-Programme Abhängigkeiten zu einem bestimmten Init-System aufweisen dürfen.

Die Diskussion dreht sich unter anderem darum, welche Auswirkungen eine solche Grundsatzentscheidung für das Debian-Projekt und für die gerade bevorstehende Freeze-Phase von Debian 8.0 Jessie haben wird. So warf der frühere Debian-Projektleiter Steffano Zacchiroli die Frage auf, ob man überhaupt schon mit den Betroffenen wie dem Gnome-Projekt oder dem Debian Release Team gesprochen habe, wie eine solche Grundsatzentscheidung im Fall der Fälle umgesetzt werden könnte.

Jacksons Vorschlag ist eine Neuauflage einer bereits im März von den Debian-Entwicklern abgelehnten Grundsatzentscheidung, fand aber bereits genügend Unterstützer, um ihn nach einer zweiwöchigen Diskussionsphase zur Abstimmung zu bringen.

Lucas Nussbaum verfasste einen konkurrierenden Vorschlag für eine Grundsatzentscheidung, die den bevorstehenden Freeze von Debian Jessie stärker berücksichtigt (Zusammenfassung der Unterschiede). Auch dieser Vorschlag wird nun zur Abstimmung kommen, denn als amtierender Debian-Projektleiter benötigt Nussbaum keine Unterstützer, um eine Grundsatzentscheidung zur Abstimmung vorzuschlagen.

Die Diskussion kommt für die Debian-Entwickler unpassend, weil für den 5. November der Freeze von Debian Jessie geplant ist. Bis dahin sollten alle größeren Änderungen an Softwarepaketen abgeschlossen sein. Findet eine der Grundsatzentscheidungen die Mehrheit, könnte das umfangreiche Änderungen an Kernkomponenten wie dem Gnome-Desktop, Standard in Debian Jessie, nach sich ziehen – und einen Freeze und damit die Fertigstellung von Debian 8.0 auf unbestimmte Zeit stoppen. (mid)