Debian-Gremium versucht schrittweise Init-System-Wahl

Das Technical Committee der Linux-Distribution Debian versucht, eine Entscheidung zum Standard-Init-System beim nächsten Release herbeizuführen; von der Entscheidung abhängige Fragen sollen danach geklärt werden.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

Die seit einer ganzen Weile laufenden Debatte um das zukünftige Standard-Init-System für Debian geht in die nächste Runde: Der Vorsitzende des Debian Technical Committee hat zu einer Abstimmung aufgerufen, mit der die Mitglieder des Gremiums das Standard-Init-System für das derzeit vorbereite Debian 8 (Jessie) festlegen sollen. Dabei hat Bdale Garbee fünf Vorschläge zur Wahl gestellt: "systemd", "upstart", "openrc", das bislang standardmäßig verwendete "sysvinit" und schließlich "weitere Diskussionen".

Garbee hofft, eine Antwort auf diese Frage könne die Diskussionen über das Standard-Init-System der Linux-Distribution einen entschiedenen Schritt voranbringen. Alle von der Wahl abhängigen Fragen könnten anschließend geklärt werden – etwa wie die Umstellung erfolgen soll und welches Init-System die Debian-Varianten nutzen sollen, die statt Linux andere Kernel einsetzen.

Der Vorsitzende des Gremiums bittet die anderen Mitglieder darum, das vorgeschlagene Vorgehen gegebenenfalls zu kritisieren und Alternativvorschläge zu unterbreiten. Garbee wünscht sich zudem, die anderen Mitglieder würden ihre Stimmen so bald als möglich abgeben, spätestens aber bis Ende Januar. Bislang haben nur Garbee selbst, Russ Allbery und Keith Packard ein Votum veröffentlicht. Wie nach früheren Aussagen zu erwarten war, ist Systemd bei allen drei die erste Wahl; auf der zweiten Postion steht bei allen Upstart.

Zum verwendeten Wahlverfahren hat Garbee keine Aussage getätigt, daher dürfte es wie bei Debian üblich eine leicht modifizierte Variante der Schulze-Methode sein. Da einiges auf einen 4:4 Patt hindeutet, könnte es aber sein, dass der Vorsitzende letztlich entscheiden darf. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob das Gremium eine so knappe Entscheidung letztlich als Grundlage für das weitere Vorgehen nutzen will; zudem könnte es auch sein, dass irgendein Debian-Entwickler noch eine "General Resolution" einreicht, durch die dann letztlich alle Debian Developer (DD) über das Standard-Init-System abstimmen dürften.

[Update, 27.01., 12:50] Ian Jackson, der Debians Technical Committee angehört, hat sich zu Wort gemeldet: Er zeigt sich äußerst unzufrieden mit Garbees Vorgehen und der kurzfristig anberaumten Wahl. Jackson rief die anderen Komiteemitglieder fener dazu auf, gegen den Lösungsvorschlag von Garbee zu stimmen. [/Update] (thl)