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Deepfakes: Gefälschtes Zuckerberg-Video auf Facebook soll nicht gelöscht werden

Der Facebook-Konzern weigert sich, mit Schädigungsabsicht gefälschte Videos zu löschen. Jetzt trifft es Mark Zuckerberg persönlich.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer Archivaufnahme

(Bild: dpa, Ting Shen/XinHua)

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"Stellen Sie sich das für einen Moment vor: Ein Mann, der totale Kontrolle über die gestohlenen Daten von Milliarden Menschen hat, all ihre Geheimnisse, ihre Leben, ihre Zukunft", hat Mark Zuckerberg nie gesagt, "Ich verdanke alles Spectre. Spectre hat mir gezeigt, dass, wer immer die Daten kontrolliert, die Zukunft kontrolliert." Dennoch gibt es ein realistisches Video, das Zuckerberg zeigt, wie er genau das sagt. Es ist Gag einer Werbeagentur und gleichzeitig ein politisches Statement.

Der Gesichtertausch auf Fotos ist nichts Neues. Dank „Deepfake“ wird nun auch die Montage von Gesichtern in Videos zum Spielzeug für Jedermann. Pina Merkert erklärt die Hintergründe.

Hintergrund ist eine schmutzige Kampagne gegen Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Unterhauses und damit höchstrangige Politikerin der Demokratischen Partei. Unbekannte haben Aufzeichnungen Pelosis so manipuliert, dass sie betrunken wirkt, und verbreiten diese verfälschten Aufnahmen online. Zu den Weiterverbreitern zählen sogar US-Präsident Trump sowie sein persönlicher Anwalt und Ex-Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani.

Während YouTube die Videos löscht, weil sie gegen YouTube-Nutzungsbedingungen verstoßen, lässt Facebook die Videos bewusst online. Facebooks Algorithmen sollen solche Inhalte lediglich weniger stark bewerben und daneben echte Aufnahmen platzieren. Ein vergleichbares Video Mark Zuckerbergs würde gleichfalls nicht gelöscht werden, hieß es seitens Facebook Ende Mai.

Zwei Künstler und eine Werbeagentur bitten den Facebook-Konzern nun zum Lackmustest: Sie haben einige Sekunden eines Auftritts Zuckerbergs in einer Nachrichtensendung mittels Deepfake-Verfahren so manipuliert, dass Zuckerberg die zitierten Worte in den Mund gelegt werden. Das dabei erwähnte Spectre meint eine Kunstinstallation der beiden Künstler, die die "Geheimnisse der Digital-Beeinflussungsindustrie" anprangern soll.

Bislang ist das falsche Zuckerberg-Video noch auf Facebook und Instagram zu sehen. Allerdings hat Dienstagabend der Fernsehsender, der die Originalaufnahme ausgestrahlt hat, die Löschung der Videos beantragt. Wegen Markenrechtsverletzung. (ds)