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Deepfakes: Porno-Firma personalisiert jetzt Videoclips

Harmlose Fantasieerfüllung oder Fake-Maschine? Ein US-Pornostudio bietet seinen Kunden ab sofort die Möglichkeit, sich selbst in die Filme montieren zu lassen.

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Deepfake: Neues Geschäftsmodell für die Porno-Industrie

Die Dame sieht aus wie "Wonder Woman"-Darstellerin Gal Gadot – in Wirklichkeit war ein Algorithmus am Werk, der das Gesicht von Gadot auf den Körper einer Pornodarstellerin montiert hat. Die gleiche Technologie nutzt nun auch ein US-Pornostudio.

Das US-Pornostudio Naughty America hat ein neues Geschäftsmodell: Mit Hilfe von Deepfakes können sich Kunden ihre Gesichter und Körper in Filmclips hineinschneiden lassen. Ebenso ist es möglich, den Hintergrund nach ihren Wünschen ummontieren lassen und Pornostars beispielsweise in der eigenen Wohnung auftreten zu lassen. "Wir halten Personalisierung und Anpassung an Kundenwünsche für die Zukunft", sagte Naughty-America-CEO Andreas Hronopoulos in einem Interview zu den kommerziellen Deepfake-Pornos gegenüber dem Branchenblatt Variety.


Die Videoclips manipuliert das Studio dem Bericht zufolge mit derselben Technik, die auch hinter den Anfang 2018 im Netz kursierenden Fake-Porns und Fake-Hitler-Parodien steckte. Mit Hilfe von neuronalen Netzen und möglichst viel Bildmaterial der Person, die in das Video hineingeschnitten werden soll, trainieren die Filmeditoren eine KI. Je mehr Gesichtsausdrücke die neu in den Clip integrierte Person dem Studio zur Verfügung stellt, desto realistischer soll die Änderung sein – bis hin zu Videos, die nicht mehr als Manipulation erkennbar seien. Gegenüber Variety erklärte Hronopoulos in diesem Zusammenhang, dass er dem Begriff "Deepfake" dabei wenig abgewinnen könne und lieber von "Nachbearbeitung" spreche.

Dennoch bleiben Fragen offen. Zwar versichert Naughty America, dass die hauseigene Rechtsabteilung kontrollieren werde, dass das eingesandte Material von damit einverstandenen Erwachsenen stamme. Ebenso hole man die Zustimmung der beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler ein. Wie genau es aber sicherstellen will, dass nicht doch Dritte das Material unter falschen Angaben an das Studio schicken und beispielsweise für politische Schmutzkampagnen nutzen, erklärte das Unternehmen nicht.

Hronopoulos verwies in diesem Zusammenhang lapidar darauf, dass Montagen schließlich so alt wie das Internet selbst seien. Dabei lägen Sicherheitsfeatures wie etwa nicht zu löschende Wasserzeichen auch im eigenen Interesse des Unternehmens – schließlich hält es die kommerziellen Rechte am Original.

Ganz günstig ist ein Deepfake eines Pornoclips nach Kundenwunsch übrigens nicht. Wie The Verge in einem Artikel zu kommerziellen Porno-Deepfakes berichtet, werden für einen Clip je nach Aufwand einige hundert US-Dollar bei einem einfachen Gesichtertausch oder mehrere tausend US-Dollar bei komplizierten Montagen fällig.

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