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Dell verkauft weniger Computer

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Mit einer deutlichen Senkung der Gewinnerwartung für das laufende Geschäftsjahr 2012/2013 hat Dell Investoren enttäuscht. Auch das am 4. August zu Ende gegangene zweite Geschäftsquartal brachte weniger Umsatz als erwartet. Vor allem das Geschäft mit Verbrauchern bricht weg. Michael Dell bittet seine Mit-Aktionäre um Geduld: Der laufende Umbau der von ihm gegründeten Firma zu einem Dienstleister für und Ausrüster von Großunternehmen werde noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Dell hat im zweiten Finanzquartal 14,5 Milliarden US-Dollar (11,7 Milliarden Euro) umgesetzt. Im Vergleich zum zweiten Quartals des vorangegangenen Finanzjahres ist das ein Rückgang von acht Prozent. Die Zahl der verkauften Geräte ist um ein Zehntel auf 10,4 Millionen gesunken. Der Nettogewinn ist gar um 18 Prozent auf 732 Millionen US-Dollar (590 Millionen Euro) gefallen. In den letzten zwölf Monaten konnte Dell aus dem laufenden Betrieb einen Free Cash Flow von 2,8 Milliarden US-Dollar schöpfen. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 5,1 Milliarden US-Dollar.

An Verbraucher und kleine Geschäftskunden (Small Office) konnte Dell nur noch Geräte und Leistungen im Wert von 2,6 Milliarden Dollar verkaufen – ein Einbruch von 22 Prozent im Jahresabstand. Da aber die Kosten dieser Sparte nicht proportional gesunken sind, ist die Marge im gleichen Zeitraum von 3,1 Prozent auf bloß fünf Promille geschwunden. Gegenüber Analysten betonte Michael Dell mehrmals, sich auf das Segment der mittel- und hochwertigen Geräte zu konzentrieren. Dieser Markt schrumpft. Den im unteren Preissegment herrschenden Preiskampf meidet Dell bewusst; das reduziert zwar den Umsatz, soll aber die Marge retten.

Dell leidet unter mehreren Effekten: Verbraucher greifen derzeit lieber zu Tablets und Smartphones als zu Laptops, die öffentliche Hand in den USA spart und viele Händler warten auf das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8. Sie haben daher ihre Lagerbestände reduziert und weniger nachbestellt. Entsprechend hofft Dell, dass Windows 8 dem PC- und Laptopmarkt sowie Windows Server 2012 dem Servermarkt neuen Schwung verleihen.

Langfristig setzt Dell aber auf Märkte mit deutlich höheren Gewinnspannen: Großen Unternehmen soll mehr Software, Dienstleistungen, Server, Netzwerke und Speicherlösungen verkauft werden als bisher. "Das ist eine langfristige Strategie", sagte Michael Dell am Dienstag zu Analysten, "Das wird Zeit brauchen." Dafür kauft sein Unternehmen auch kräftig ein: Alleine im ersten Halbjahr wurden sechs Übernahmen angekündigt. Fünf sind schon abgewickelt, der Kauf des Software-Anbieters Quest soll noch im laufenden Quartal folgen. Bei Dienstleistungen, Servern und Netzwerken konnte Dell im zweiten Quartal zulegen, bei Software und Speicherlösungen ist der Umsatz hingegen gefallen.

Regionsweise betrachtet hofft Dell auf die Schwellenländer. Doch außer Russland, wo ein Umsatzplus von 47 Prozent erzielt wurde, ging es überall bergab: China -10 Prozent, Asien-Pazifik-Japan -12 Prozent, Brasilien -15 Prozent, Indien -30 Prozent. Zum Vergleich: Nord-, Mittel- und Südamerika -6 Prozent, Europa und Naher Osten -12 Prozent.

Die Prognose für das Anfang Februar zu Ende gehende Finanzjahr musste Dell ebenfalls deutlich reduzieren. Statt dem ursprünglich erwarteten Gewinnzuwachs wird es einen Rückgang geben: 1,70 US-Dollar je Aktie sind gut ein Füntel weniger, noch ohne Berücksichtigung des laufenden Aktienrückkauf-Programms. Den großen Investoren gefiel diese Aussicht nicht. Im nachbörslichen Handel verlor die Dell-Aktie mehr als 4,5 Prozent auf 11,78 US-Dollar. Mitte Februar hatte das Wertpapier mit 18,16 US-Dollar noch ein Dreijahreshoch gesehen. (jk)