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Demo-Party Evoke 2014: Eine Party voller Einladungen

Am vergangenen Wochenende fand in Köln die Demo-Party Evoke 2014 statt. Über 470 Besucher bestaunten die Beiträge der zahlreichen Wettbewerbe. Viele der Sieger waren Einladungen – zu anderen Partys.

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Die Demo-Party Evoke 2014 in den Kölner Abenteuerhallen Kalk ging am frühen Sonntagnachmittag mit der Preisverleihung zu Ende. Über 470 Szener hatten 113 Beiträge in 12 Kategorien bewertet, von denen einige erst während der Veranstaltung fertig wurden.

Zu jeder Party reicht die Demoszene frisch programmierte digitale Spektakel zum Wettbewerb ein: Intros stopfen eine möglichst aufwendige Wundertüte von 3D-Effekten und atmosphärischer Musikuntermalung in extrem wenig Platz; bei Demos liegt die Betonung auf einer möglichst umwerfende Wirkung. Die Beiträge laufen live auf einem mächtigen Rechner und werden dem Publikum auf einer Riesenleinwand präsentiert. Wer die Wettbewerbe gewinnt, hängt ganz davon ab, wie der Beitrag im Saal ankommt – das Publikum ist zugleich die Jury.

Dass die Evoke direkt vor der Spieleentwicklermesse Gamescom in Köln stattfindet, ist kein Zufall. Beide Veranstaltungen haben ähnliche Zielgruppen; viele "Szener" arbeiten hauptberuflich als Spieleentwickler. Frisches Blut stellt auf der Party mit Beiträgen sein Können unter Beweis und erschließt neue Kontakte, die zu einer Karriere als Spieleprogrammierer führen können.

Evoke 2014: Highlights in Bildern (15 Bilder)

Mit über 470 Besuchern war die Evoke 2014 gut besucht. Das Publikum stimmt direkt ab, welche Beiträge am besten gefallen.
(Bild: Darya Gulyamova, www.daryamova.de)

In diesem Jahr gehörten auffallend viele Einladungen zu anderen Parties zu den Beiträgen – manche von ihnen erreichten in ihren Kategorien sogar die vorderen Plätze.

In der Kategorie der 4K-Intros siegte BluFlame mit "Dismantlement". Hier zerfließt ein blutroter Plasma-Blob in einem abstrakten Mechanismus, um dann von stählernen Stanzen zu Tori geformt zu werden (YouTube). BluFlame war auf der Demo-Party Revision 2014 in der Kategorie der 8K-Intros mit den fotorealistischen Landschaften von Bliss aufgefallen.

Aufbau und Musik der "Inner Body Experience" von TRSI mögen eher monoton wirken; dennoch beeindruckt die Intro mit im Takt aufglühenden Fraktalkörper und Plasmatunneln dadurch, was die Programmierer alles in 4 KByte unterbekommen haben – und erntete den zweiten Platz (YouTube). Die Gruppe hatte zuletzt auf der Revision 2014 mit der ersten aus dem All übertragenen Intro von sich reden gemacht. Den dritten Platz belegte Titan mit "<xx>". Die Intro paart fraktale Wolken, rote Kaleidoskopstrukturen und leuchtende Kristallblumen mit einem treibenden Electro-Soundtrack (YouTube).

Bei den 64K-Intros gewann "Hologram" von Mercury den ersten Preis. Die Gruppe nutzte den Platz für eine opulente Einladung zur Schweizer Demo-Party Demodays (Buenzli). Laserstrahlen blitzen durch Tunnel mit verrosteten Rohren und werden von Stahlsphären reflektiert (YouTube) – kurz und cool.

Beeindruckend war auch das zweitplatzierte "Reasons" von Inque mit seinen moosartig überwachsenen organischen Strukturen, pulsierenden gestreiften Sphären und einem Wellen schlagenden Donut und parallelen Ansichten per Split-Screen – dazu musste der Rechner gleichzeitig mehrere Ansichten derselben Szene rendern (YouTube).

Bei "Ceresy" von AttentionWhore kam es zu einer Panne: Gezeigt wurde versehentlich eine unfertige Version, die dennoch den dritten Platz erlangte. Die Intro beginnt mit monochromen Vektorfomen, die unter anderem sternbildartig im All kreisen. Höhepunkt ist eine Masse glänzender, zu einem knarzigen Beat tanzender Dodekaeder (YouTube).

In der Kategorie der Demos reichten iGore, Messy und Lug00ber den Beitrag "Clichès" ein. Dem Namen getreu führt die Demo eine Reihe szenetypische Klischees vor – eine langatmige Tunnelfahrt, die unausweichliche Unterwasserszene, die Pflicht-Physiksimulation, ein morphender Blob sowie eine 3D-Umsetzung des Party-Logos – und kommentiert sie mit sarkastischen Texteinblendungen. Das Publikum gab den Frevlern dennoch den ersten Platz (YouTube).

Die Szene-Klischees, sie leben hoch: die PC-Demo "Clichès" von iGore, Messy und Lug00ber

Dicht dahinter folgten Rebels mit "This Time", einer Einladung zur Party "Function 2014" in Budapest. Grafisch erinnert der Beitrag mit Schlangen bildenden Würfeln und aus 3D-Klötzchen bestehenden Schildern an die Ästhetik des Lego-Films und "Ralph reichts" (YouTube).

Wie die Clichès findet auch die drittplatzierte Demo "Nightscape" von Subground4 auf einer Meta-Ebene statt: In einem Vorort steht nachts ein Mädchen auf ihrem Balkon und bläst eine ölige Seifenblase in der Luft. Von Winden getragen, verwirrt diese sich schließlich in einen 3D-Nachbau des Evoke-Veranstaltungsortes, auf dessen Leinwand dann die Credits erscheinen (YouTube).

Bei den Wild Demos sind exotische Plattformen zuhause: So lief der Siegerbeitrag "Rocket Science" auf einem Commodore 16, einem gefloppten Billig-Computer von 1985. In den Händen der Entwicklergruppe Bauknecht spuckt die schwachbrüstige Antiquität über 16 Minuten lang fliegende Buchstaben, Sternenfelder, Fotos und scrollende Gemälde aus, begleitet von abstrakten Chiptunes. Dabei blitzen immer wieder Anachronismen dazwischen, darunter das verpixelte Bild eines puffernden YouTube-Videos. Das Ganze endet, wer hätte es gedacht – mit einem hüpfenden Amiga-Ball (YouTube).

Mandarine und Mankind holten für "Unusual Suspects" mit reinem C-Code saubere Vektoranimationen aus einem Amiga 600 heraus und erzielten damit den zweiten Preis (YouTube). Checkpoint bewegte eine 21 Jahre alte Atari-Spielkonsole Jaguar dazu, im Rahmen des "Morphonic Lab XIII" monochrome 3D-Figuren über verformte Gitter laufen zu lassen und Videosequenzen zu verfremden – begleitet von wummernden Dubstep-Bässen (YouTube).

In der Kategorie der interaktiven Beiträge beeindruckte der "Spack-O-Mat" von Trifox und Nuance, die von der Bühne aus über eine Kinect interaktiv Mosaike und fraktale Formen mit Gesten steuerten (Platz 2). Der Windows-Code steht über Pouet zum Download bereit (YouTube-Mitschnitt).

Interaktive Fraktale auf der Leinwand: Spack-O-Mat von Nuance

Abseits von Intros und Demos fanden auch Wettbewerbe (Compos) mit Grafik, fertigen Animationen und Musik statt. Die Siegerbeiträge werden im Laufe der nächsten Tage bei der Szener-Zentrale Pouet zum Download bereitgestellt; oft liegen auch YouTube-Videos vor. Wer nur Wert auf die ausführbaren Dateien legt, liegt bei scene.org oder im Demozoo richtig. (ghi)