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Demo-Party Revision: Amiga lässt grüßen

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Die erste Auflage der Demo-Party Revision am Osterwochenende trat in die Fußstapfen der Breakpoint, die 8 Jahre lang die weltweit größte Demo-Party war. Wie die Breakpoint lief auch die Revision über die gesamten Osterfeiertage: Anreise am Freitag, die Wettbewerbe am Samstag und Sonntag und am Montag dann die Prämierung der vom Publikum gekürten Gewinner.

Dank der Mischung aus erfahrenen Organisatoren und neu hinzugekommenen Szenern blieb die neue Veranstaltung von technischen Pannen weitgehend verschont – lediglich eine Live-Schaltung zu den Scene.org-Awards auf der zeitgleich stattfindenden Veranstaltung The Gathering klappte nicht.

Als gute Wahl erwies sich der neue Veranstaltungsort, das E-Werk in Saarbrücken: Die ehemalige Industriehalle bot den Besuchern deutlich mehr Platz als die Rundsporthalle Bingen der Breakpoint. Aber nicht nur die räumlichen Gegebenheiten trugen zum Gelingen bei: Im Vergleich zur Breakpoint wirkte die Party geradezu aufgeräumt und ruhig. Die Stimmung der Teilnehmer war nicht ganz so ausgelassen wie auf anderen Veranstaltungen dieser Art, aber dennoch fröhlich. Am Abend trafen sich viele Besucher zu Lagerfeuern oder anderen Treffgelegenheiten, unter anderem zu einer spontanen Musik-Session. Nachdem das Organisations-Team seine Fähigkeiten derart unter Beweis gestellt hat, dürfte die Veranstaltung im kommenden Jahr weiter aufblühen.

Am Montag Vormittag wurden die Gewinner der diversen Wettbewerbe gekürt.Gleich fünf anspruchsvolle Beiträge widmeten sich dem Hardware-Klassiker der Szene, dem Commodore Amiga. Sieger war der Beitrag "Human Traffic" von Ghosttown & Loonies, der durch einen poppigen Soundtrack bestach. "Shake Off The Dust" von Elude landete mit seinen beeindruckenden Plasmaeffekten auf dem zweiten Platz.

Bei den 4k-Intros siegte "Code Is My Pron" von Nuance mit einem singenden Sprachsynthesizer, gefolgt vom atmosphärischen "Sumu" von Cubicle. Mit "D-Four" landete Ctrl-Alt-Test auf dem dritten Platz: Die textlastige Intro erinnert deutlich an Cee-Lo Greens "Fuck You", gefiel dennoch durch die musikalische Untermalung. Die Kategorie der Browser-Demos fand wesentlich weniger Zulauf als erhofft; der Gewinner "Cube" von Desire war trotzdem schön anzusehen.

Bei den 64k-Intros bekam der Industrie-Look von "Pandora" der Gruppe Brain Control den ersten Preis. Die Altmeister von Razor 1911 glänzten in "We Have Accidently Borrowed Your Votedisk" mit Old-School-Grafik und knarziger 8-Bit-Musik und wurden dafür mit dem zweiten Platz belohnt. Die Kooperation zwischen Stroboholics und Farbrausch erreichte mit "Pacemaker" nur den dritten Platz: Die bunten Effekte flackerten derart schnell vorbei, dass man sie kaum genießen konnte.

Bei den PC-Demos siegte "Flux" von Panda Cube: Bei der geradlinigen Produktion stand die Musik im Vordergrund, zu der sich bunte Bilder im Takt bewegten. Den zweiten Platz belegte die Gruppe Nuance mit "Sommerville". Mit "Frozen" belegte Farbrausch auch hier wieder den dritten Platz; die Demo erweckt einen C64 und einen Amiga zum Leben.

Revision 2011: Eindrücke (11 Bilder)

Alles, was in 4 KByte reinpasst: Für "Code Is My Pron" erhielt Nuance in der PC-Kategorie 4k-Intro den ersten Platz.

Eine Liste aller Wettbewerbsbeiträge steht auf der Szene-Website pouet.net. Zudem stehen dort auch alle bislang verfügbaren Beiträge zum Download bereit. Von einigen gibt es auch YouTube-Videos; echte Liebhaber entpacken aber die für ihr System geeigneten Beiträge auf ihrem Rechner und sehen nach, wie gut ihr Rechner mit dem Stand der Technik klarkommt. [Update: Links für "Flux" und die Gesamtliste]

Mit rund 800 Besuchern blieb die Revision erwartungsgemäß etwas hinter der Breakpoint zurück, die im Vorjahr über 1000 Teilnehmer begrüßte. Auch in diesem Jahr kamen die meisten Besucher aus Europa. Das "Compo-Lurker"-Ticket für die beiden Tage mit den wichtigsten Wettbewerben nutzten nur etwa 50 Besucher; die überwiegende Mehrheit blieb länger. Am Sonntag kamen kurzfristig etwa 30 interessierte Saarbrücker hinzu, die in einem Rundgang eine Einführung in die Demoszene gezeigt bekamen. Zu den Schnupperbesuchern gehörte auch Charlotte Britz, die Oberbürgermeisterin der Stadt.

Insgesamt ist nicht zu verleugnen, dass die Szene weiter altert: Die meisten Besucher sind mittlerweile bekannte Gesichter, es gab aber auch Neuzugänge. Die fortgesetzten Versuche der Szene, neuen Wind in die Segel zu bekommen, zeigen bislang nur begrenzten Erfolg. (Stefan Göhler) / (ghi)

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