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Demoszene feiert in Köln

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Mysteriöse Sphären, animierte Fantasien und minimalistische Computermusik - die Kölner Vulkanhalle steht derzeit ganz im Zeichen der Demoszene. Zum achten Mal findet an diesem Wochenende die Demoparty Evoke statt, die mit mittlerweile über 300 Teilnehmern (neben Veranstaltungen wie der Breakpoint) zu einem der etabliertesten Szene-Treffen in Deutschland herangewachsen ist.

Der Veranstalter, der Kölner Verein Digitale Kultur, bemüht sich, die Verbindung zwischen Demoszene, Kultur und dem professionellen Bereich zu verstärken. Aber wie auf jeder Demoparty ist der Wettbewerb zentrales Thema. Die Teilnehmer stellen untereinander ihre neuesten Arbeiten vor und wählen in einem guten Dutzend Kategorien die jeweils besten Releases. Eine der begehrtesten Disziplinen ist die 64K-Intro, bei der es darum geht, möglichst atemberaubende Effekte in einem Programm von nur 64 Kilobyte Größe unterzubringen.

Den professionellen Bereich deckt Hauptsponsor Intel ab. Programmierer Jonathan Story von Intel kam nach seinem Auftritt auf der Games Convention nach Köln, um den Demoscene-Programmierern in einem Kurz-Seminar die Details der Threading-Technik näherzubringen. Der Kölner Lokalprovider Netcologne öffnete der Demoparty auch einen Weg ins Fernsehen. In seinem Kabelnetz strahlt Netcologne während der dreitägigen Veranstaltung immer wieder Demos und Berichte von Szeneparties auf. Liveberichte und Demos werden parallel auf Demoscene.tv gestreamt.

Für den kulturellen Kontext sorgen die Studenten Matthias Risse und Hauke Menges. Mit Ihrer Installation "The 10th room", die im Rahmen eines Praktikums des Lehrstuhls für Mediengestaltung der TU Dresden entstand, loten sie die Möglichkeiten des interaktiven Kinos aus. Die Zuschauer können mit Joypads Symbole auf einer Leinwand steuern, die bei Kollision jeweils einen kleinen Videospot auslösten.

Ein weiteres Experiment war die Präsentation der neuen Zeitschrift Sceen. Traditionell hält sich die Demoszene eher durch elektronisch publizierte Diskmags auf dem Laufenden, die auf Hobby-Basis erstellt werden. Das neue "Magazin für digitale Extravaganza", soll die Grenzen der verschiedenen Computerszenen wie der Demoszene, Netlabels und Machinima aufheben, und den Gruppen gegenseitog ihre Arbeiten näherbringen, wie Chefredakteur Alexander Scholz betont. Damit das Konzept funktioniert, hat Scholz einige Diskmag-Autoren in sein Team aufgenommen, die schon seit Jahren über die Entwicklungen der Demoszene berichten. Die Zeitschrift ist nicht für den Massenmarkt produziert: die erste Auflage von 2000 Exemplaren ist nur auf speziellen Veranstaltungen oder im Internet zu beziehen.

Wer die Arbeiten der Demoszene selbst begutachten will, kann die Releases der Evoke in den nächsten Tagen auf der Seite Scene.org herunterladen. (Torsten Kleinz) / (bbe)

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