Menü

Der Ansturm auf .eu-Land kann beginnen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 253 Beiträge

Am Freitag, Punkt 11 Uhr, gibt es endlich die so lange von Politikern und Technikern vorbereiteten .eu-Domains für jedermann – die so genannte Landrush-Phase, in der Registrierungen von .eu-Domains für alle offenstehen, beginnt nach zwei Sunrise-Perioden. In der ersten Sunrise-Phase wurden nur Registrierwünsche von öffentlichen Einrichtungen – etwa Bundes- und Landesbehörden – und eingetragenen Markeninhabern berücksichtigt. In der Sunrise-Phase 2, die bis zum heutigen Donnerstag, den 6. April, dauerte, konnten auch Inhaber von Firmen- oder anderen rechtlich geschützten Namen .eu-Domains vorregistrieren.

Die großen Registrare erwarten, dass rund 2 Millionen .eu-Adressen ins Rennen gehen könnten und davon am Ende des Tages rund 1 Million tatsächlich registriert werden können. 370.000 Vorregistrierungen meldet Marktführer 1&1. Bei Strato, das den allgemeinen .eu-Start auch für den Europa-Start von Strato nutzen wird, hat man 200.000 Namen in der Warteschlange. Bei keinem anderen Landrush sei das Interesse so groß gewesen, heißt es bei der Knipp Medien und Kommunikations GmbH. Bis heute um Mitternacht können Registrare auch noch Adressen mit Namensansprüchen nach den Sunrise-Regeln bei der Registrierstelle Eurid in Brüssel registrieren.

Für die knisternde Spannung zum .eu-Start gibt es allerdings auch noch einen anderen, aus Sicht mancher Registrare wenig erfreulichen Grund. Die Liste der antretenden Registrare, also der Dienstleister für Domainregistrierungen beim .eu-Datenbankbetreiber (Registry) Eurid, ist auf wundersame Weise inzwischen auf 1500 Firmen angewachsen. Eine solche Zahl wäre kaum möglich, hätte sich inzwischen nicht eine Vielzahl von Unternehmen mehrfach als Registrar akkreditiert. Streng genommen heißt es in den Eurid-Regeln: eine Akkreditierung pro Registrar. Doch wie schon bei der Registrierung generischer Ausdrücke wie sex.eu durch Markengrabber in den Sunrise-Phasen ließ sich auch für diese Regel eine leichte Umgehungsstrategie finden.

Kurzerhand haben viele Registrare einfach eine mehr oder weniger große Zahl neuer Registrarunternehmen gegründet. Wurden bis vor wenigen Wochen noch verschämt unterschiedliche Unternehmensinhaber für die neu gegründeten Firmen benannt, scheint man dies nach der stillschweigenden Zustimmung der Eurid zum Registrarcloning inzwischen nicht mehr für notwendig zu halten. Die Unternehmen, die nur eine Akkreditierung haben, sind inzwischen fast schon eine Minderheit. "Wir prüfen nicht, ob ein Unternehmen denselben Eigentümer hat", sagt Patrik Linden, Sprecher bei Eurid. "Entscheidend ist, dass es sich um ein einzelnes Unternehmen handelt und dass die Registrargebühren bezahlt werden." In der Tat, meinte Linden, könnte der Eigentümer bei manchen Unternehmen identisch sein.

Die Kunden erwarteten einfach eine hohe Erfolgsquote, kommentiert Robbie Birkner von Keysystems die Mehrfachakkreditierungen. Da die Eurid-Regeln die Beantragung mehrfacher Akkreditierungen zugelassen hätten, werde diese Option auch von den Registraren genutzt, wodurch andere wiederum gezwungen seien, mitzuziehen, um die Erfolgsquote für ihre Kunden hoch zu halten. Man habe speziell für die .eu-Einführung mehrere Firmen gegründet und akkreditiert, die für unterschiedlichen Kundengruppen und Geschäftsbereiche die Aufträge abwickeln, teilte auch Andreas Schreiner mit, Geschäftsführer von InternetWire. So würden etwa Reselleraufträge von den Endkundenaufträge getrennt. Schreiner benennt mit dem Grund für die Mehrfachakkreditierungen auch das Problem: "Da es einige Registrare mit einer Vielzahl von Akkreditierungen gibt, wird man als Registrar mit nur einer Akkreditierung keine Chancen haben, mit der Liste der populärsten Domains durchzukommen."

Von einem fairen Startprozess, sagt Knipp-Sprecher Matthias Fischer, könne nicht mehr die Rede sein. Ob das ganze ein juristisches Nachspiel hat, könne aber derzeit niemand sagen. Klar sei: Sollte Eurid feststellen, dass ein Registar mehrere Akkreditierungen hat, müssten diese zurückgegeben werden.

Die große Zahl der in den Startlöchern sitzenden Unternehmen wird auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Registrare nicht selten das "Belegtzeichen" erhalten: Fünf IP-Adressen bekommen die Registrare, um ihre Domains ins System zu schicken. Mit allen können sie dauerhaft versuchen, ins System zu kommen, allerdings erlaubt das Registry-System nur eine Verbindung pro Registrar zu einer bestimmten Zeit, erklärte Linden. Bei fünf mal 1500 Anfragen pro Sekunde auf insgesamt 60 bis 80 möglichen Registrierkanälen wird es eng. Wie ein "Kinderfasching" nehme sich das System angesichts des großen zu erwartenden Andrangs aus, schimpft ein kleiner Registrar, der im Übrigen überzeugt ist, dass .eu ein gutes Beispiel für die Regel sei, dass Regulierung die Großen vor den Kleinen schütze. (Monika Ermert) / (jk)