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Technology Review

Der Anti-Sucht-Algorithmus: Mathematiker modellieren Süchte

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US-Forscher haben Algorithmen entwickelt, die aufzeigen, wie sich Medikamentenmissbrauch verhindert lassen könnte, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Wendy Caldwell von der University of Tennessee-Knoxville hat dafür zusammen mit ihren Kollegen die Sucht nach dem Schmerzmittel Vicodin modelliert. Das Modell zeigt, dass auch hier der alte Spruch von Benjamin Franklin gilt: Ein Gramm Vorsorge ist mehr wert als ein Kilo Heilung.

Caldwells Algorithmen wirken auf den ersten Blick recht simpel: Zunächst nahm sie sich mit ihren Kollegen die Gesamtzahl der medizinischen Vicodin-Nutzer vor. Diese können nach dem Ende ihrer Behandlung entweder damit aufhören, das Medikament zu nehmen – dann verlassen sie diese Population. Oder sie werden zu chronischen Usern und etwas später dann zu Vicodin-Süchtigen. Von den Süchtigen versucht wiederum ein gewisser Teil, sich behandeln zu lassen. Diese Behandlung ist entweder erfolgreich, woraufhin ein ehemals Abhängiger diese Schar verlassen kann. Oder sie schlägt nicht an – dann bleibt er Teil von ihr.

Das Forscherteam untersuchte dann verschiedene Parameter, die bestimmen, wie der Übergang zwischen den unterschiedlichen Populationen erfolgt. Ein wichtiger Faktor dabei ist natürlich der Behandlungserfolg, sollte sich ein Abhängiger in Therapie begeben. Aber auch der Zugriff eines Süchtigen auf seinen "Stoff" ist von entscheidender Bedeutung, was wiederum oft mit sozialen Interaktionen mit anderen Vicodin-Abhängigen zusammenhängt.

Caldwell und ihr Team meinen, dass ihr Modell klar zeigt, wie sich die Zahl der missbräuchlichen Anwendungen reduzieren lässt. "Wenn man an Vorsorgeparametern Veränderungen vornimmt, hat das einen deutlich größeren Einfluss auf die Süchtigenpopulation als bei Behandlungsparametern." Mit anderen Worten: Die Vorsorge ist besser als die Heilung.

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(bsc)

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