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Der Deal ist perfekt: ProSiebenSat.1 ist verkauft

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Was gestern schon durch die Gazetten geisterte, ist nun mit den Unterschriften der ehemaligen und neuen Eigentümer besiegelt: Die Investmentgesellschaften KKR und Permira kaufen die ProSiebenSat.1 Media AG. Recht nüchtern beginnen der betroffene Konzern und die neuen Eigentümer von ProSiebenSat.1 ihre Mitteilung, dass der Deal unter Dach und Fach ist: "Die Lavena Holding 4 GmbH, eine von KKR und Permira kontrollierte Beteiligungsgesellschaft, hat heute mit German Media Partners L.P. einen Anteilskaufvertrag über den Erwerb ihrer Mehrheitsbeteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG geschlossen".

Damit dürfte in absehbarer Zeit der zweitgrößte europäische Fernsehkonzern entstehen: Permira und KKR, die zu den größten Beteiligungsgesellschaften der Welt zählen, sind bereits seit 2005 an dem europaweit tätigen Fernsehkonzern SBS mit Sitz in Luxemburg beteiligt. Die neuen Eigentümer von ProSiebenSat.1 kündigten entsprechende Pläne auch bereits an: Man verfolge mit der Übernahme des "größten TV-Konzerns in der größten Volkswirtschaft Europas" ein strategisches Interesse. Man erwäge, nach erfolgreichem Abschluss der Übernahme ProSiebenSat.1 mit SBS Broadcasting in einem europäischen Fernsehkonzern zusammenzuführen. Die Gruppe wäre dann der zweitgrößte europäische Fernsehkonzern hinter der RTL-Gruppe. ProSiebenSat.1 macht einen Umsatz von zwei Milliarden Euro pro Jahr und ist mit Sendern wie Sat.1, ProSieben, Kabel 1, N24 und 9Live vor allem in Deutschland aktiv. SBS erreichte zuletzt einem Umsatz von einer Milliarde Euro; der Konzern betreibt 19 kommerzielle TV-Stationen und 20 Pay-TV-Kanäle vor allem in Skandinavien, den Benelux-Ländern und Osteuropa.

Eine Investorengruppe um das Milliardärsehepaar Cheryl und Haim Saban hatte ProSiebenSat.1 im Jahr 2003 aus der Insolvenz von Leo Kirch übernommen. Saban hatte zwar immer wieder betont, er wolle langfristig an Pro Sieben Sat 1 beteiligt bleiben, nachdem aufgrund guter Geschäfte des Konzerns der Aktienkurs der aber deutlich anstieg, dünkte den Investoren wohl der richtige Zeitpunkt für die Versilberung ihrer Anteile gekommen.

Zunächst wollte Saban die ProSiebenSat.1 für knapp 2,5 Milliarden Euro an die Berliner Axel Springer AG verkaufen. Anfang des Jahres hatten sich jedoch sowohl die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) als auch das Bundeskartellamt gegen eine Fusion ausgesprochen. Mit dem jetzt erfolgten Zuschlag an Permira und KKR hat die Axel Springer AG ein zweites Mal das Nachsehen: Der deutsche Verlagskonzern ist mittlerweile mit 25 Prozent am türkischen Mischkonzern Dogan Holding beteiligt, der ebenfalls in das Rennen um die Übernahme von ProSiebenSat.1 eingestiegen war.

KKR/Permira übernehmen nach eigenen Angaben rund 88 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und etwa 13 Prozent der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien an ProSiebenSat.1. Lavena Holding 4 werde mit insgesamt rund 50,5 Prozent am Grundkapital der ProSiebenSat.1 Media AG beteiligt sein. Der Kaufpreis liegt bei 28,71 Euro je Stammaktie und 22,40 Euro je Vorzugsaktie. Insgesamt erhält die Saban-Inverstorengruppe damit rund drei Milliarden Euro für ProSiebenSat.1; vor drei Jahren hatten sie noch rund 7,50 Euro je Aktie bezahlt. Die neuen Eigentümer wollen auch ein öffentliches Übernahmeangebot an die Aktionäre der ProSiebenSat.1 Media AG machen; der Angebotspreis für die Vorzugsaktionäre werde "dem gewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs der ProSiebenSat.1-Vorzugsaktie vor der Ankündigung des Angebots entsprechen". Unter anderem hält derzeit der Axel-Springer-Konzern noch 12 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media AG. Man werde sich mit den neuen Mehrheitseigentümern zusammensetzen und über den weiteren Kurs beraten, sagte eine Springer-Sprecherin. Denkbar sei sowohl ein Verkauf der Anteile als auch eine Aufstockung, aber auch, dass alles beim Alten bleibe.

Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Wolf-Dieter Ring, sagte laut dpa, angesichts der bestehenden TV-Aktivitäten von Permira/KKR sei ein erheblicher Wachstums- und Internationalisierungsschub zu erwarten. "Das verbessert die Wettbewerbsfähigkeit." Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die künftigen Eigentümer von ProSiebenSat.1 auf, dort alle Arbeitsplätze zu erhalten.

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(jk)