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Der E-Personalausweis auf der Suche nach Anwendungen

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Identity-Management ist eines der zentralen Themen der omnicard in diesem Jahr, da durfte der elektronische Personalausweis natürlich nicht fehlen, verfügt dieser doch über eine eID-Funktion, die Diensteanbietern und Bürgern die wechselseitige Authentifizierung im Internet erlauben soll. Nun muss der Bundesrat am 13. Februar noch der Änderung des Personalausweisgesetzes zustimmen, dann steht der zum 1.11.2010 geplanten Einführung nichts mehr im Wege.

Am heutigen Donnerstag warb der für das Pass- und Ausweiswesen zuständige Referatsleiter Andreas Reisen vom Bundesinnenministerium (BMI) vor den Vertretern der Chipkarten-Branche für die eID-Funktion des neuen elektronischen Personalausweises, die mehr Vertrauen zwischen Anbietern und Kunden in den E-Commerce bringen soll. Eine Besonderheit ist dabei die wechselseitige Authentisierung mit der gezielten Freigabe derjenigen persönlichen Daten wie Name, Geburtsdatum oder Anschrift, wie sie im normalen Geschäftsverkehr bei der physischen Vorlage eines herkömmlichen Personalausweises offen lesbar sind. Online werden nur berechtigte Diensteanbieter, also von der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate (VfB) beim Bundesverwaltungsamt zertifizierte Anbieter, die eID-Funktion nutzen und Daten zur Person abfragen dürfen. "Dadurch unterscheidet sich der deutsche ePA von allen anderen elektronischen Ausweisprojekten in der Welt", betonte Reisen. Einen Zugriff über die eID-Funktion auf den hoheitlichen Bereich des Personalausweises, also die elektronisch gespeicherten biometrischen Daten, wird es in kommerziellen Anwendungen nicht geben.

Das BMI bereitet zur Zeit eID-Anwendungstests vor, die im Oktober starten und Ende Oktober 2010 gleitend in den Wirkbetrieb übergehen sollen. Getestet werden sollen unter anderem die Altersverifikation, die Registrierung für Dienstleistungen, Portale und Benutzerkonten – auch unter Verwendung eines Pseudonyms --, das automatische Ausfüllen von Webformularen, die Eröffnung eines Benutzerkontos und Anmeldung am sicheren DE-Mail-Dienst sowie Zugangskontrollen, etwa zum Firmengelände. "Wer da eine Idee hat, sollte sich bei uns registrieren lassen", warb Reisen. Wer sich bis zum 28. Februar auf der Registrierungswebseite angemeldet hat, bekomme "viele Infrastrukturleistungen von uns kostenfrei zur Verfügung gestellt".

"Der Personalausweis wird aus unserer Sicht zu einer Eintrittskarte", meint Christian von Hammel-Bonten von der Münchner Wirecard AG, einem Anbieter virtueller Kreditkarten auf Guthabenbasis für das Webshopping. Wirecard hat in Zusammenarbeit mit Giesecke&Devrient die eCard-API, die Middleware zur Einbindung der eID-Funktion des elektronischen Personalausweises intern bereits getestet und zeigte sich begeistert. "Ich würde mich freuen, wenn heute schon 2010 wäre", bekundete er.

Denn mit der neuen eID-Funktion werde die Online-Einrichtung eines Wirecard-Kontos für den Kunden erheblich einfacher. "Bei der Registrierung meldet sich der Bürger-Client, und es erscheint die Anzeige, dass jemand auf meinen Personalausweis zugreifen möchte." Die geforderten Daten werden vom Client angezeigt und zur Freigabe bedarf es dann nur noch der Eingabe der sechsstelligen PIN; die sonst von Hand einzugebenden Daten werden anschließend automatisch übernommen. Beim späteren Login in das Konto braucht der Kunde ebenfalls nur noch die eID per Kartenleser zu präsentieren und mit der PIN-Eingabe freizugeben; den Client für den Kartenzugriff löst ein simpler Klick auf den Login-Button aus. (Richard Sietmann) / (jk)

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