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Gamescom

Anerkennung von E-Sport: Ego-Shooter als ethisches Problem

Die Politik will die Anerkennung des E-Sports vorantreiben, doch die Sportverbände wollen allenfalls Ko-Existenz. First-Person-Shooter sind ein Streitpunkt.

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Der E-Sport, der Sport und die Sucht

E-Sport zieht Massen an, so wie hier in Köln.

(Bild: ESL)

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Während sich Politiker aller Parteien auf der Gamescom in Köln für eine Anerkennung des E-Sports ausgespochen haben, stecken die Probleme noch im Detail. Beim Gamescom Congress in Köln ging es deshalb auch um die Fragen: Was ist eigentlich ein Sport? Und wie konkret sollen E-Sport-Vereine profitieren?

Auf dem Gamescom Congress stellte Jens Wortmann vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen den Entscheidungsprozess in seiner Organisation vor. So gebe es keine einheitliche Definition von Sport. Für die Aufnahme in den Katalog des Deutschen Olympischen Sportbundes seien aber im Wesentlichen drei Kriterien entscheidend: Hat die Sportart eine "eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität" zum Ziel? Ist die eigenmotorischen Aktivität der Selbstzweck der Betätigung? Und: Genügt die Sportart ethischen Ansprüchen?

Während die Bedienung von Tastatur und Maus gerade bei Turnieren auch körperliche Hochleistungen voraussetzen, steht zwar kaum in Frage; inwieweit diese Aktivität aber Selbstzweck ist, ist nicht nur bei simulierten Sportarten zweifelhaft. So werde zwar auch beim Motorsport eine technische Maschine gesteuert, doch die unmittelbare Erfahrung und Konsequenz fehle: Wer im Computerspiel an einen Baum fährt, kann gleich darauf weitermachen. An der ethischen Bewertung jedoch kommen die Sportfunktionäre nicht an den First-Person-Shootern vorbei. Dass es bei Titeln wie Counter-Strike unabdingbar ist, auf andere Spielfiguren zu schießen, erscheint vielen als K.O.-Kriterium.

Wortmann will dem E-Sport dennoch einen Platz in etablierten Sportvereine bieten. "Spiele gehören zu Alltagskultur – und wir gehen davon aus, dass die Begeisterung mit zunehmender Digitalisierung ebenfalls zunehmen wird." Der Jugendsport-Funktionär wirbt deshalb dafür, E-Sport zunächst als ergänzende Aktivität in den Sportvereinen zuzulassen. So organisierten die ehrenamtlich arbeitenden Vereine auch Ausflüge und Brettspiel-Abende, um ihren Mitgliedern gemeinsame Aktivitäten zu ermöglichen. Als eigenständige Sportart innerhalb der etablierten Strukturen scheide der E-Sport jedoch vorläufig aus.

Durch den Aufbau von E-Sport-Programmen würden die Vereine auch für Jugendliche ab 14 wieder attraktiver, was dazu genutzt werden könne, um gesellschaftliche Probleme wie die nachlassenden motorischen Fähigkeiten oder Gesundheitsprobleme durch weitgehend sitzende Tätigkeiten anzugehen Diese Ko-Existenz könne dann auch zum Kennenlernen genutzt werden. "Die E-Sport-Szene kennt den organisierten Sport nicht – im Gegenzug kennt der organisierte Sport den E-Sport nicht." So könne man dann eine offene Diskussion über Gewalt auf dem Bildschirm führen und über die Rolle der Publisher, die die Spielregeln ohne Rücksprache mit den Sportlern ändern könnten.

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