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Der Linux-Kernel 4.4 bekommt Langzeitpflege

In Zukunft soll die jeweils im Januar aktuelle Linux-Version ein Kernel mit Langzeitpflege werden. Dieses Vorgehen soll Firmen eine bessere Planung ermöglichen und wurde offenbar recht spontan beim jährlichen Treffen der Kernel-Entwickler entschieden.

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Linux 4.4 wird Kernel mit Langzeitpflege

Derzeit pflegt Greg Kroah-Hartman bereits die Kernel-Versionen 3.10, 3.14 und 4.1 für jeweils zwei Jahre.

(Bild: Screenshot von kernel.org )

Die Ankündigung von Kroah-Hartman.

Greg Kroah-Hartman will zwei Jahre lang überarbeitete Versionen von Linux 4.4 veröffentlichen, die Sicherheitslücken und Fehler des Kernels beseitigen und kleine, ungefährliche Verbesserungen bringen. Das kündigte der Kernel-Entwickler in einem Google+-Beitrag an, in dem er von der Tatsache selbst ein wenig überrascht wirkt. Offenbar entstand der Entschluss spontan nach einer Diskussion auf dem am Mittwoch zu Ende gegangenen Kernel-Summit; einige der wichtigsten Kernel-Entwickler kommen dort einmal jährlich zusammen, um zusammen mit Linux-Erfinder Linus Torvalds über die weitere Entwicklung des Linux-Kernels zu sprechen.

Es ist derzeit noch unklar, wie genau es zur Einstufung von Linux 4.4 als weiterer "Longterm Kernel" kam. Einige Andeutungen finden sich aber in Kommentaren zu einem Google+-Post eines vornehmlich im Embedded-Bereich aktiven Kernel-Entwicklers. Dieser scheint auf dem Kernel Summit vorgeschlagen zu haben, Kroah-Hartman solle lange vorab ankündigen, welcher Linux-Version Langzeitpflege erhält; außerdem hat der Embedded-Linux-Entwickler offenbar dafür plädiert, die Longterm-Kernel zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr zu bestimmen.

Kroah-Hartman will das laut den Kommentaren jetzt tun und plant offenbar, immer die jeweils im Januar aktuelle Kernel-Version zu einem Longterm-Kernel machen. Das trifft dann gleich Linux 4.4, das in der ersten Januar-Hälfte erscheinen dürfte.

Das weicht vom zuletzt genutzten Prozedere ab, bei dem Kroah-Hartman zumeist eine im Spätsommer aktuelle Linux-Version zu einem Longterm-Kernel gemacht hatte. Die Entscheidung hatte er zudem erst verkündet, wenn zumindest die Hauptentwicklungsphase der jeweiligen Kernel-Version bereits vorüber war.

In zwei Fällen war er allerdings von diesem Vorgehen abgewichen und hatte die Longterm-Kernel vorab angekündigt. Einige Firmen und Entwicklern hatten daraufhin hektisch Änderungen programmiert, damit sie noch in die jeweils nächste Kernel-Version mit Langzeitpflege einfließen konnten; manche waren dabei anscheinend eher schlampig und haben sogar Codeänderungen mit bekannten Problemen eingebracht, die sie dann erst im Rahmen der Longterm-Pflege korrigieren wollten. Kroah-Hartman bezeichnet den in Zukunft genutzten Ansatz daher auch als "Soziales Experiment".

Linux 4.3 soll zum Start des Novembers erscheinen.

Viel Zeit ist aber auch diesmal nicht, denn die Hauptentwicklungsphase von Linux 4.4 steht schon in den ersten beiden Novemberwochen an – zumindest, sofern Linux 4.3 wie geplant am nächsten Sonntag erscheint. Nach Torvalds Vorgaben arbeitende Kernel-Subsystem-Betreuer haben daher ohnehin schon jetzt alle wesentlichen Änderungen für 4.4 in ihrem Entwicklerzweigen und nehmen größere Änderungen nur noch für spätere Versionen an.

Bislang hat Kroah-Hartman immer nur zwei Kernel-Versionen als Longterm-Kernel gepflegt, wenn man von Übergangsphasen absieht, wo es zeitweise drei waren. Durch die Einstufung von 4.4 als Longterm-Kernel werden es für rund zwei Jahre jetzt drei, denn der Kernel-Entwickler hatte erst im Juli angekündigt, dass Linux 4.1 zwei Jahre Pflege bekommt; diese Version sollte den Longterm-Kernel Linux 3.10 beerben, dessen Pflege Kroah-Hartman bald aufgeben dürfte.

Parallel pflegt er derzeit noch die Version 3.14 als Longterm-Kernel; zugleich betreut er auch die jeweils aktuelle Linux-Version als "Stable-Kernel", damit der Fehlerkorrekturen und kleine Verbesserungen bekommt, bis der Nachfolger einige wenige Wochen hinter sich hat. Neben Kroah-Hartman gibt es noch andere Kernel-Entwickler, die einzelne Kernel-Versionen im Rahmen von Kernel.org pflegen. Willy Tarreau kümmert sich beispielsweise nach wie vor um den 2009 vorgestellten Linux-Kernel 2.6.32; diese Arbeit will er allerdings bald aufgeben. (thl)