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Der Mannesmann-Prozess nähert sich dem Ende

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Am gestrigen Mittwoch hat das Düsseldorfer Landgericht die Beweisaufnahme im Prozess gegen die ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratsmitglieder abgeschlossen. Das Urteil des seit fünf Monaten andauernden Prozesses soll noch im Juli gefällt werden. Nun wollen laut dpa die Staatsanwälte und Verteidiger jeweils zwei Tage lang ihre Plädoyers halten. Die Staatsanwaltschaft hat damit bereits begonnen. Indes zeigten sich die Rechtsanwälte der Angeklagten optimistisch: Sie rechnen mit einem Freispruch, nachdem auch die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer dies bereits im März in Aussicht gestellt hatte. Koppenhöfer hatte gesagt, die Millionenprämien seien zwar aktienrechtlich teilweise unzulässig gewesen. Strafrechtlich aber sei dies wohl nicht relevant.

Seit Anfang des Jahres müssen sich insgesamt sechs führende deutsche Manager und Gewerkschafter wegen Untreue oder Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. Angeklagt sind neben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel sowie Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Insgesamt geht es um Prämien in Höhe von rund 60 Millionen Euro, die nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor vier Jahren geflossen sind. Die Angeklagten hätten ihre Pflicht zu einem treuhänderischem Umgang mit dem Konzernvermögen verletzt, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Besonders weit aus dem Fenster gelehnt hatte sich Deutschlands Chef-Banker, der Schweizer Josef Ackermann. Vor Gericht verteidigte er die Esser-Prämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro als "außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung" und zog sich durch die Aussage, Deutschland sei "das einzige Land, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen", den Unmut der Öffentlichkeit zu -- besonders, nachdem Vodafone wegen der Wertminderung von Mannesmann nach der Übernahme 50 Milliarden Euro steuerlich geltend macht. (tol)