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Der Mond bleibt ein wichtiges Ziel der Bundesregierung

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Die Bundesregierung hat heute eine neue Raumfahrtstrategie (PDF-Datei) verabschiedet. Damit hat sie ein im Koalitionsvertrag formuliertes Versprechen eingelöst. Dort war die Entwicklung einer "eigenständigen Raumfahrtstrategie mit klaren Missions- und Technologiezielen innerhalb eines Jahres" angekündigt worden. In der 10-Punkte-Zusammenfassung der Strategie wird dabei das "Explorationsziel Mond" ausdrücklich genannt. Dabei geht es zunächst einmal um eine unbemannte Erkundung des Erdtrabanten mit Robotern. Hierfür werden in der deutschen Raumfahrtindustrie bereits Konzepte entwickelt.

An erster Stelle der Strategie stehen die seit Langem bewährten Anwendungen der Raumfahrt wie Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung. In Raumfahrtkreisen wird das 40-seitige Dokument, das im Dialog mit Industrie und Forschungsinstitutionen ausgearbeitet wurde, gleichwohl als "starkes Signal" gewertet. Die Raumfahrt werde damit als "wichtiges Element" insbesondere der Wirtschaftspolitik anerkannt.

Evert Dudok, Vizepräsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie und Geschäftsführer der Astrium GmbH, meinte, die neue Raumfahrtstrategie stehe für "Zukunft, Kontinuität, Zuverlässigkeit, Integration und Partnerschaft". Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), sieht es – so wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle – ähnlich: "Deutschlands Herausforderung besteht im Wettbewerb um die besten Ideen und damit um die besten Technologien. Wissenschaft und Technologie-Förderung müssen ein Kernanliegen unserer Gesellschaft sein. Dieser Notwendigkeit folgt die neue deutsche Raumfahrtstrategie." Brüderle bezeichnete die Raumfahrt als ein "sich dynamisch entwickelndes Geschäftsfeld".

Gegenüber dem vorigen Raumfahrtprogramm von 2001 (PDF-Datei) werden nun militärische und zivile Sicherheitsaspekte deutlicher betont. Sie wurden vor neun Jahren eher am Rande erwähnt. Auch wird der Aspekt der Nachhaltigkeit stärker betont; er bezieht sich insbesondere auf die Vermeidung und Beseitigung von Weltraummüll. Beim DLR wird am Satellit DEOS (Deutsche Orbitale Servicing Mission) gearbeitet, der andere Satelliten auftanken oder gezielt zum Absturz bringen soll.

In dem Strategiepapier wird die Nutzung der Internationalen Raumstation ISS bis zum Jahr 2020 empfohlen. Die Perspektive für die Zeit danach ist jedoch unklar. Da bei Raumfahrttechnik mit Entwicklungszeiten von 10 bis 15 Jahren gerechnet werden muss, ist es keinesfalls zu früh, jetzt schon darüber nachzudenken. Für die Fortsetzung der bemannten Raumfahrt nach 2020 gibt es daher, so die Einschätzung eines Insiders, bislang nur einen "Hoffnungsschimmer".

Auch die Position zur Trägerrakete Ariane sei etwas "schwach formuliert". Demnach solle der europäische Zugang zum Weltraum "so kostengünstig wie möglich" gewährleistet werden. Da Trägerraketen in allen Ländern staatlich subventioniert werden, ist die genaue Bezifferung der Kosten im internationalen Vergleich aber schwierig. Zudem gibt es in Europas Differenzen über die Weiterentwicklung der Trägertechnik. Deutschland setzt auf den Ausbau der Ariane 5, während in Frankreich die Neuentwicklung einer Ariane 6 favorisiert wird.

Positiv wird in Raumfahrtkreisen allerdings das in der Raumfahrtstrategie formulierte Bekenntnis zur Europäischen Weltraumorganisation ESA gewertet. Die hat gegenwärtig Kompetenzstreitigkeitenen mit der EU auszufechten, unter denen insbesondere der Ausbau des europäischen Satellitennavigationssystems massiv gelitten hat.

Innerhalb der deutschen Regierung scheinen sich die Kompetenzen dagegen dauerhaft verlagert zu haben. Für morgen, 1. Dezember, lädt das Bundeswirtschaftsministerium zu einer Auftaktveranstaltung zur neuen Raumfahrtstrategie ein. Mit dabei sind "hochrangige Vertreter" der Bundesministerien für Verteidigung und für Verkehr. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das noch vor zehn Jahren die Weltraumstrategie ausgearbeitet hat, hat im Weltraum anscheinend nichts mehr zu melden. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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