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Der Paketvermittler: Zum Tode von Larry Roberts

Er leistete Pionierarbeit für die paketvermittelte Kommunikation bei einem Vorläufer des heutigen Internet: Larry Roberts wurde 81 Jahre alt.

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Der Paketvermittler: Zum Tode von Larry Roberts

Larry Roberts (1937-2018) im Jahr 2017

(Bild: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Im Alter von 81 Jahren ist der Internet-Pionier Larry Roberts nach einem Herzinfarkt gestorben. Er gehört zu den Entwicklern, die für den Vorläufer des Internet die paketvermittelte Kommunikation erprobten und einführten.

Larry Roberts wurde als drittes Kind des Chemiker-Ehepaares Elizabeth und Elliot Roberts in Connecticut am 21. Dezember 1937 geboren. Von seinen im eigenen Labor arbeitenden Eltern beeinflusst, begann er früh mit dem Bauen von Bomben und Raketen, doch statt der zunächst avisierten Raumfahrtkarriere studierte er schließlich Elektrotechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Auf der High School hatte er ein kleines Funknetz für das Sommercamp der Pfadfinderinnen entwickelt, das seine Eltern leiteten.

1963 schloss Roberts sein Studium mit dem Doktor ab und wechselte zum Lincoln Laboratory am MIT und forschte über OCR-Verfahren. Schließlich arbeitete er mit Leonard Kleinrock zusammen, der als einflussreicher US-Theoretiker der paketvermittelten Datenkommunikation galt, an der auch in anderen Ländern geforscht wurde. Roberts und Kleinrock teilten sich ein Büro am Lincoln Laboratory. Von Kleinrock erschien 1964 das Buch "Communications Nets: Stochastic Message Flow and Delay". Im Jahre 1999 erläuterte Roberts den Einfluss von Kleinrock so: "Die Paketvermittlung war in den 60ern ein neuer und sehr radikaler Ansatz. Weil ich plante, dafür Millionen von Dollar auszugeben und meine Reputation nicht verlieren wollte, musste ich sicher sein, dass es auch funktionierte.

Ohne Kleinrocks Arbeit über Netzwerke und Warteschlangen-Theorien hätte ich niemals solch einen radikalen Schritt unternommen. Alle Wissenschaftler in der Kommunikations-Community argumentierten, dass es niemals funktionieren könnte. Lens Buch war ganz entscheidend für meinen Widerspruch und so setzte ich alles auf die Karte, dass es wirklich funktionieren wird."

Der Hinweis auf die Millionen, die auf dem Spiel standen, ist wichtig. 1966 wechselte Larry Roberts ins Pentagon und übernahm dort 1968 die Abteilung für Computer-Kommunikation, als der Internet-Pionier Robert Taylor nach Vietnam geschickt wurde, um dort das Netzwerk der US-Armee zu leiten. Roberts übernahm seine Aufgaben und stellte die Mittel zur Verfügung, damit das "Arpanet" der Advanced Research Projects Agency (ARPA) realisiert werden konnte.

Auf seiner Packet-Website finden sich zahlreiche Artikel zur Paketvermittlung und zur Funktionsweise des Arpanets, in denen er die notwendigen Millionenausgaben erklärte. Als das Arpanet wie vorhergesagt funktionierte und die ersten Dutzend Nodes miteinander kommunizierten, versuchte Roberts, die Technologie an AT&T zu verkaufen, um das ARPA-Budget zu entlasten, doch der Telekommunikations-Gigant lehnte ab.

1973 wechselte Roberts in die freie Wirtschaft und gründete die Firma Telenet, die paketvermittelte Kommunikations-Dienstleistungen anbot, bis er sie 1979 für 60 Millionen Dollar an GTE verkaufen konnte. Roberts versuchte mit weiteren Start-ups wie NetExpress, ATM Systems, Caspian Networks und Anagran, am Boom der Internet-Kommuniation zu verdienen, doch wurde keines dieser Unternehmen ein großer Erfolg. Für seine Pionierarbeit erhielt Roberts zahlreiche Auszeichnungen. Erwähnt sei der spanische Prinz von Asturien-Preis und der Vorschlag, all den Vätern des Internet den Friedensnobelpreis zu verleihen. Das wird nicht mehr möglich sein, doch man kann eine Video-Aufzeichnung seiner Geschichte erleben.

(tiw)