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Der Ur-Browser: 20 Jahre Netscape Navigator

Im Oktober 1994 war einiges los. Nach der Gründung des World Wide Web Consortiums und dem ersten CSS-Vorschlag gab der Netscape Navigators sein Debüt. Für die ersten Netizens war er das Tor zum WWW.

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Sucht man ein Datum, wann das World Wide Web (und mit ihm das gesamte Internet) zur Eroberung der Welt ansetzte, wäre der Oktober vor zwanzig Jahren ein guter Kandidat: Innerhalb von zwei Wochen gründete sich das W3C, entstand CSS und erschien am 13. Oktober 1994 die erste Version des Netscape Navigator – jener Software, mit der Mitte der 90er-Jahre Millionen von Nutzern zum ersten Mal eine Webseite anschauten.

Die letzte von AOL veröffentlichte Netscape-Version 9 war im Kern ein Firefox, der aus dem Sourcecode von Netscape weiterentwickelt wurde.

1993 veröffentlichte das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) im US-Bundesstaat Illinois einen Web-Browser namens Mosaic, der schnell sehr populär wurde. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war ein junger Student namens Marc Andreessen. Nach seinem Studienabschluss traf Andreessen in Kalifornien auf Jim Clark, den bestens vernetzten Gründer von Silicon Graphics (SGI). Die beiden gründeten ein Unternehmen, um den Browser weiterzuentwickeln und zu vermarkten – die Mosaic Communications Corporation, später umbenannt in Netscape.

Der Browser, der am 13. Oktober 1994 erschien, hieß noch "Mosaic Netscape 0.9b", soll aber mit NCSA Mosaic keinen gemeinsamen Code gehabt haben. Diese erste öffentliche Version für Windows, Mac OS 7 und Unix (aber nicht Linux) galt als Beta; Netscape Navigator 1.0 ließ noch zwei Monate auf sich warten.

Gegenüber Mosaic versprach der Herausforderer unter anderem kürzere Ladezeiten durch parallele Downloads und Unterstützung von JPEG-Grafiken. Bald sollten noch umstrittene Neuerungen wie Cookies, Frames und JavaScript hinzukommen. Wie viele heute aktuelle Web-Software-Produkte sollte der Navigator kostenlos für Privatanwender sein. Mit dem Erscheinen von Navigator 1.0 verlangte das Unternehmen für den Browser jedoch 39 US-Dollar, von dem nur akademische oder gemeinnützige Nutzer ausgeschlossen waren.

Netscape musste sich dem Internet Explorer geschlagen geben.

(Bild: c't)

Netscape erlebte einen kometenhaften Aufstieg und ging als erstes Internet-Unternehmen 1995 an die Börse. Zur Jahreswende 1995/96 erreichte der Browser einen Marktanteil von fast 80 Prozent. Doch der Höhenflug währte nicht lange. Microsoft drängelte das Startup mit immer besseren Versionen von Internet Explorer vom Markt, die bereits in Windows enthalten und somit ohne weitere Kosten nutzbar waren. Zwischen 1998 und 2000 navigierte Netscape in Richtung Bedeutungslosigkeit, das Unternehmen ging in AOL auf. Die lange geplante Version 5 sollte nie erscheinen.

Überraschenderweise schaffte Netscape eine Wiedergeburt als Open-Source-Projekt. Als das gemeinnützige Unternehmen Mozilla (benannt nach dem alten Netscape-Maskottchen und eine Vermengung von "Mosaic" und "Godzilla") im Frühjahr 2008 seinen 10. Geburtstag feierte, war der Navigator-Nachfolger Firefox gerade dabei, den Internet Explorer wieder vom Thron zu schubsen. Zur gleichen Zeit beschloss AOL, seine sieche Marke Netscape einzustellen. (Herbert Braun) / (vbr)

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