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Der Vater der Lernmatrix: Zum 100. Geburtstag von Karl Steinbuch

Vor 100 Jahren wurde Karl Steinbuch geboren. Neben der Entwicklung erster deutscher Computer wurde er vor allem mit seiner Lernmatrix-Theorie der neuronalen Netze bekannt, ehe er sich als zunehmend konservativer Kulturkritiker profilierte.

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Der Vater der Lernmatrix: Zum 100. Geburtstag von Karl Steinbuch

(Bild: Bundesarchiv (CC BY-SA 3.0))

Genau vor 100 Jahren, am 15. Juni 1917 kam der Kybernetiker Karl Steinbuch in Cannstatt zur Welt. Nach einem Physikstudium konnte er 1944 mit einer Arbeit über Festkörperrotation promovieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Steinbuch Entwicklungsleiter bei der Standard Elektrik Lorenz AG in Stuttgart. Dort entstand in dem von ihm so genannten Informatikwerk der Rechner ER 56, der beim Versandhaus Quelle eingesetzt wurde.

1958 wurde Steinbuch als Professor an die Universität Karlsruhe berufen, wo er Direktor des Instituts für Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenübertragung wurde, das heute zum KIT gehört. Hier entwickelte er die Theorie der Lernmatrix, eines neuronalen Netzes, das aus Eigenschaftsleitungen und Bedeutungsleitungen gebildet wurde.

Unter dem Einfluss der Studentenbewegung entwickelte sich Steinbuch, der zunächst mit der SPD sympathisierte, zu einem konservativen Kulturkritiker rechtsnationaler Prägung. Energisch bekämpfte er beispielsweise die "Neuen Medien", die er für die Produktion von "Fake News" verantwortlich machte, wie sie heute benannt würden. Hier forderte er ein staatliches Verbot gefährlicher Nachrichten. Von der Studentenbewegung wurde der Informatiker als Technokrat wahrgenommen. Zuletzt verfasste er Schriften, in denen er gegen "Literaten und Intellektuelle" hetzte und Asylsuchende als Existenzbedrohung für das deutsche Volk darstellte.

Karl Steinbuch starb am 4. Juni 2005 in Ettlingen. Eine ausführliche Würdigung seines Lebens kann im Blog des Heinz Nixdorf MuseumsForum gelesen werden. (anw)

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