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Der lange Rückbau des AKW Unterweser

Seit 2018 läuft der Rückbau des AKW Unterweser. Ein Langzeitprojekt, das Atomkraftgegner mit viel Sorge beobachten.

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(Bild: Preussenelektra)

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Schafe grasen blökend auf dem Deich. Die umliegenden Felder sind abgeerntet, die Bäume herbstlich bunt. Die Wesermarsch-Landschaft ist idyllisch. Durch die Nebelschwaden wirken die Umrisse der riesigen Kuppel des "Kernkraftwerkes Unterweser" (KKU) unwirklich. Seit Mitte der 1970er Jahre steht die Nuklearanlage schon dort und äußerlich wird sich daran bis 2032 nichts ändern, denn der 2018 begonnene Rückbau läuft von innen nach außen. Zuerst wird der strahlungssensible Kontrollbereich komplett entkernt. Erst ab 2032 beginnt dann der konventionelle Abriss.

Von Abbruch spricht Gerd Reinstrom deshalb im Moment lieber nicht. "Da denken die Menschen gleich, da rollt der Bagger", sagt Reinstrom, der schon seit 1982 im KKU arbeitet und die Anlage seit 2013 leitet. "Der Rückbau ist eine filigrane Demontage." Und daran sind viele beteiligt. Der Parkplatz vor der Anlage ist voll. 165 eigene Mitarbeiter sind an dem Rückbau beteiligt und 160 Beschäftigte von Drittfirmen. Die Vorschriften sind so umfangreich wie komplex und richten sich nach dem Atomgesetz. "Hier kann nicht jeder machen, was er will, sondern es geht nach sehr strikten Rahmenbedingungen", sagt Reinstrom.

Seit dem 21. Februar 2019 ist das Werk brennstofffrei. Die Brennelemente lagern in 40 Castorbehältern mit je neun Elementen in einem getrennten und gesicherten Nebengebäude, das der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) untersteht. Im Frühjahr 2020 sollen die Unterwasser-Arbeiten an den Einbauten des Reaktordruckbehälters beginnen. 2032 soll der sogenannte nukleare Rückbau beendet, also der besonders geschützte Kontrollbereich abgebaut sein. Soweit der Zeitplan.

Die Beschäftigten des Atomkraftwerkes haben sich alle schon mal in grauen oder olivgrünen Unterhosen, Trägerunterhemden und schicken Badeschlappen gesehen. Das Umziehen ist alltägliche Mehrfachroutine. Privatkleidung in den Spind legen, Feinrippwäsche und Schlappen anziehen, dann durch die Schleuse, wo die Strahlung anhand von zwei Dosimetern gemessen und kontrolliert wird, raustreten und den orangen Overall, orange Socken und weißen Schuhe anziehen. Es gibt mehrere Schleusen. Das ganze zwei, drei Mal am Tag. Auf Toilette gehen sollte man besser vorher, denn die gibt es nur vor der Schleuse.

Die Arbeitskleidung wird in der eigenen Wäscherei gewaschen. Lars Wiese kennt das Prozedere seit Jahren. Der Strahlenschutz-Ingenieur war acht Jahre beim Rückbau des auch zu PreussenElektra gehörenden AKW Würgassen (NRW) dabei und kam 2015 in die Wesermarsch, um den Rückbau des KKU zu begleiten. "Wir wollen verhindern, dass über die Kleidung beim Verlassen des Kontrollbereichs eventuell radioaktive Stoffe auf das Betriebsgelände oder das allgemeine Staatsgebiet gelangen können", formuliert Wiese das Ziel des täglichen Umziehens.