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Der tragbare Kassettenspieler kommt zurück – mit Bluetooth

Der Walkman war in den 80ern populär, dann kamen Discman und iPod. Nun kehrt der tragbare Kassettenspieler zurück, inklusive Bluetooth. Wer will das hören?

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Kassettenspieler mit Bluetooth: Der "It's OK" von Ninm soll im Dezember auf den Markt kommen.

(Bild: Ninm)

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Kassettenkinder und Retro-Fans können sich freuen: Auf Kickstarter läuft derzeit die Finanzierung eines tragbaren Kassettenspielers mit Bluetooth 5.0. Der sieht dem Walkman von früher sehr ähnlich, wird aber nicht von Sony sondern von Ninm aus Hong Kong entwickelt und vertrieben. Der kleine Kasten nennt sich "It's OK" – ein bisschen Melancholie und Sehnsucht schwingt da irgendwie mit. Das Projekt kommt gut an, das Finanzierungsziel von rund 11.000 Euro war zügig erreicht und dann auch übertroffen. Den Kassettenspieler soll es in drei Farben geben: "Cloud" (hellblau), "Sakura" (hellrosa) und "Evening" (dunkelblau). Letzterer erinnert optisch am stärksten an den Original-Walkman von Sony.

Kickstarter-Video im 80er-Retro-Look (Quelle: Ninm)

Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne zahlen umgerechnet rund 67 Euro für eines der Geräte. Wie bei allen Kickstarter-Kampagnen besteht auch hier die Gefahr, dass am Ende die Retroträume platzen und der Spieler nie erscheint. Ninm hat aber immerhin schon eine Kampagne erfolgreich zu Ende gebracht, da ging es um eine Retro-Kamera, die Magny 35. Die Auslieferung für den Bluetooth-Kassettenspieler ist für Dezember geplant, die Produktion soll einen Monat vorher losgehen. Der Versand erfolgt weltweit von Hong Kong aus.

Der "It's OK" soll laut Hersteller der erste Kassetten-Player der Welt mit Bluetooth sein. (Die Aussage ist mit Vorsicht zu genießen: Bei Amazon gibt es beispielsweise einen tragbaren "Cassette to MP3 Converter" samt Bluetooth-Funktion. In den Rezensionen kommt das Gerät jedoch nicht gut weg.) Natürlich verfügt der Player außerdem über eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, an die man seine alten Kopfhörer anstöpseln kann, um das Retro-Feeling perfekt zu machen – inklusive verheddertem Kabel. Für gemeinsame Hörspielabende mit fünf Freunden oder drei Fragezeichen lässt sich der Player auch mit einer Bluetooth-Box koppeln, um die Stube zu beschallen.

Den "It's OK" gibt's in drei Farben, er kostet knapp 70 Euro.

(Bild: Ninm)

Gesteuert wird der Kassettenspieler über große Plastikknöpfe: Play, Aufnahme starten, vorwärts und rückwärts spulen. Wer schon damals einen Walkman hatte, wird sich schnell zurechtfinden. Strom bezieht das Gerät aus zwei AA-Batterien; ebenfalls wie früher, als die Batterien aus der Fernbedienung als schneller Ersatz herhalten mussten. Die transparente Abdeckung ermöglicht den Blick ins Innere, wo sich die Kassetten langsam drehen.

Wer mit dem kleinen Gerät verträumt Audio-Tagebuch führen möchte, kann dies tun: Ein eingebautes Mikrofon nimmt Geheimnisse entgegen und der Magnetkopf schreibt sie auf eine Leerkassette. (Die ist im Lieferumfang des "It's OK" gleich enthalten; Laufzeit: 60 Minuten.) Ninm argumentiert, dass der limitierte Platz von gut einer Stunde dazu zwingt, nur wertvolle Gedanken zu Kassette zu bringen. Zudem seien Kassetten als physisches Objekt doch von großem Wert, sie seien doch noch immer "romantisch" und "unvergessen".

Liebes Tagebuch, heute war alles doof! Der "It's OK" hört geduldig zu und nimmt Monologe auf Kassette auf.

(Bild: Ninm )

Im vergangenen Jahr hat der Verkauf von Musikkassetten in den USA tatsächlich wieder zugenommen. Zwar nur zaghaft, aber immerhin. Einige Indie-Labels verkaufen Musik inzwischen sogar wieder auf Kassetten und auch große Stars wie Justin Bieber oder Lana Del Rey haben ihre Songs als MCs veröffentlicht. Hörspielfreunde in Deutschland lieben ihre Kassetten seit Jahrzehnten schon innig: "Die drei Fragezeichen" gehören zu den wenigen Produktionen, die auch im Jahr 2019 weiterhin auf MC erscheinen.

Offenbar befällt die Leute eine Sehnsucht nach dem Analogen in digitalen Zeiten. Spotify liefert eine unendliche Flut an Musik, die irgendwie nur noch im Hintergrund dudelt und in Playlisten gequetscht wird. Dass Alben auch Gesamtkunstwerke sind, geht durch diese Fragmentierung verloren. Dagegen steht der bewusste Musikgenuss – und der klappt mit einem Kassettenspieler natürlich ganz gut: Songs lassen sich nicht so einfach überspringen, nicht jeder Titel ist sofort zu hören.

Blüht der Kassette nun also ein ähnliches Revival wie der Schallplatte, die sich plötzlich auch wieder auf den Plattentellern junger Leute dreht? Oder ist der "It's OK" ein großer Quatsch für urbane Hipster? Die Kassette hat schließlich auch Nachteile: Wenn sich das Magnetband plötzlich aus seinem Plastikgehäuse befreit und herausquillt, muss man es mühsam wieder aufwickeln. Ohne Bleistift eine nervige Angelegenheit!

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