Menü
Technology Review

Der wahre Mann hinter Bitcoin

Alle Welt rätselt über Satoshi Nakamoto, den Begründer der Digitalwährung. Die wirklich wichtige Figur ist jedoch jemand ganz anderes: Gavin Andresen, der die Entwicklung der Digitalwährung seit 2010 lenkt.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 74 Beiträge

Die Frage, wer Satoshi Nakamoto ist, beschäftigt seit einigen Jahren die Netzwelt. Zuweilen treibt sie bizarre Blüten, etwa im vergangenen März, als Reporter das Haus von Dorian Nakamoto in Temple City, Kalifornien, belagerten. Der 64-jährige sei der Kopf hinter der Digitalwährung Bitcoin, hatte das Magazin Newsweek kurz zuvor verkündet. Auch diese Theorie entpuppte sich wie viele andere zuvor als Luftnummer.

Bitcoin, die digitale Währung

Die virtuelle Währung Bitcoin auf dem Weg ins reale Leben: An speziellen Börsen kann man Bitcoins kaufen und verkaufen, diverse Online-Händler und Läden akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel, erste Bitcoin-Geldautomaten werden aufgestellt.

mehr anzeigen

Und doch gibt es ein Mastermind hinter Bitcoin. Der sitzt nicht in Kalifornien, sondern in Amherst, Massachusetts. Es ist Gavin Andresen, der die Entwicklung der Bitcoin-Softwarearchitektur koordiniert, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Andresen wurde 2010 von Satoshi Nakamoto selbst per E-Mail zum "Core Maintainer" bestimmt. Das und die Arbeit der vergangenen vier Jahre, in denen der Bitcoin-Bestand Milliarden-Dollar-Höhe erreicht hat, haben ihm eine enorme Reputation eingebracht. CIA und Behörden in Washington suchen seinen Rat, wenn es um Bitcoin geht. 2012 war Andresen einer der Mitbegründer der Bitcoin Foundation – eine Nonprofit-Organisation, die bei der zentralbanklosen Währung einer zentralen Instanz noch am nächsten kommt.

Um Bitcoin bekannter zu machen, startete Andresen 2010 den "Bitcoin Faucet", eine Art virtuellen Wasserhahn, der jedem neuen Besucher ein paar Tröpfchen der Digitalwährung spendete – anfangs waren es fünf Bitcoins, später nur noch Bruchteile, als der Wert stieg. An Nakamoto, dessen E-Mail-Adresse zumindest bekannt war, schickte Andresen Verbesserungsvorschläge für den Bitcoin-Code. Nakamoto gefielen die Ideen, und schon bald machte er Andresens E-Mail-Adresse zum ausschließlichen Kontakt auf der Projekt-Webseite.

Die Gruppe der Bitcoin-Programmierer ist nach wie vor klein. Andresens Stiftung versucht nun immerhin, Spenden für die Arbeit am Code zu organisieren. Im Moment befindet sich die Entwicklung an einem kritischen Punkt. Längst stehen nicht mehr nur libertäre Enthusiasten hinter Bitcoin, auch Investoren der Wall Street und aus dem Silicon Valley haben sich in die Digitalwährung eingeklinkt. US-Kongress und Aufsichtsbehörden interessieren sich mittlerweile für die Währung, erste Ansätze einer Regulierung sind auf dem Weg.

Siehe dazu in Technology Review online:

(bsc)