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Deutlich höhere Kosten für Noteingriffe ins Stromnetz

Weil die ungleiche regionale Windverteilung die Stromnetze über die Maßen beansprucht, sorgen Netzbetreiber wie Tennet beziehungsweise deren Manager für reichlich Druck, damit es zum zügigen Netzausbau kommt.

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Deutlich höhere Kosten für Noteingriffe ins Stromnetz

(Bild: Amprion)

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Der Stromnetzbetreiber Tennet musste in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich mehr Noteingriffe zur Stabilisierung des Stromflusses in Deutschland vornehmen als ein Jahr zuvor. Die Kosten seien zu Jahresbeginn auch wegen des windreichen Januars um mindestens 50 Prozent gestiegen, so Tennet-Deutschland-Chef Urban Keussen. "Die Anspannung im Netz ist hoch, und sie wird mit der Abschaltung weiterer Kernkraftwerke noch zunehmen", betonte Keussen.

Bereits 2015 lagen die Kosten für die Netzeingriffe bei rund einer Milliarde Euro bundesweit. Davon entfielen etwa 700 Millionen Euro auf das Tennet-Netzgebiet, das in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht. Im windschwachen Jahr 2016 sank der Aufwand bei Tennet nur leicht auf 660 Millionen Euro. Jetzt steigt er wieder deutlich. Nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 könnten die Eingriffskosten laut Bundesnetzagentur bundesweit auf bis zu vier Milliarden Euro im Jahr anwachsen. Das bezahlt der Verbraucher über den Strompreis.

Solange Leitungen fehlen, um Windstrom von Norden nach Süden zu bringen, müssen vor allem im Herbst und Winter immer wieder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, wobei gleichzeitig im Süden Deutschlands oder in Österreich konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden. Auch der Netzbetreiber Amprion hatte Anfang Juni deutlich gestiegene Eingriffskosten gemeldet.

Umso wichtiger sei es, die geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen ohne Verzögerungen fertigzustellen, sagte Keussen. Deshalb dürfe es kein "Wildwest" und Gepoker um Abfindungen für Anlieger geben. Die Entschädigungen der Grundstückseigentümer orientierten sich an einheitlichen Richtlinien, die mit den zuständigen Verbänden ausgehandelt würden, sagte er. Wie in Deutschland bisher üblich sollen Entschädigungen nur einmalig gezahlt werden, betonte Lex Hartman, Keussens Kollege in der Tennet-Geschäftsführung.

Bauernvertreter vor allem aus dem bayerischen Bauernverband hatten wiederkehrende Entschädigungszahlungen in Form einer "Trassen-Maut" gefordert. Sie befürchten eine Erwärmung und Austrocknung des Bodens durch künftige Erdkabel und verweisen auf die Kommunen, die sich die Durchquerung ihrer Gebiete schließlich auch mit Konzessionsabgaben bezahlen ließen. Hartmann hält dem entgegen, dass wiederkehrende Zahlungen die Debatten um die Leitungen immer wieder neu entflammen würden und zusätzliche Lasten für die Stromkunden brächten. Entschädigungen müssten fair für alle sein, die Grundstückseigentümer wie die Stromverbraucher.

Tennet baut zusammen mit dem Netzbetreiber TransnetBW die "Schlagader der Energiewende", die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetzigem Planungsstand soll sie 2025 fertig werden, falls Klagen den Bau nicht aufhalten. Das Genehmigungsverfahren für die rund einen Kilometer breiten Trassenkorridore soll bis etwa Ende 2018 laufen.

Siehe dazu auf der Website der Technology Review:

(dpa) / (ane)

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