IFA

Deutsche Allianz für vernetztes Haus der Zukunft

Die Vision vom vernetzten Haus gibt es schon seit Jahrzehnten, doch bisher scheiterte sie an hohen Preisen und technischen Schwächen. Große deutsche Unternehmen glauben, dass jetzt die Zeit für das intelligente Zukunftshaus gekommen ist.

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Von
  • Ulrike Kuhlmann

Eine deutsche Industrie-Allianz unternimmt einen neuen Anlauf für das vernetzte Haus der Zukunft. Die Deutsche Telekom und die Energiekonzerne Eon und EnBW stellten auf der IFA in Berlin die Plattform „Smart Connect“ vor, über die Haushaltsgeräte und Gebäudetechnik wie Heizung oder Jalousien gesteuert werden können. Mit an Bord ist auch der Hausgeräte-Hersteller Miele. Ein Ziel der Partnerschaft ist es, einen Standard zu etablieren, der auch international durchsetzbar ist.

Die Telekom will die Plattform „Smart Connect“ von Mitte 2012 an in Deutschland anbieten. Unabhängig vom Telekommunikationsanbieter soll sie an jedem Breitband-Anschluss funktionieren. Zentrale Komponente des Systems ist die „Smart Connect Box“ im Haus des Kunden. Über sie werden lokale Anschlüsse mit Internet-Diensten verbunden. Als Zielgruppe sollen vor allem Hausbesitzer angesprochen werden. Partnerschaften mit weiteren Energieversorgern sowie Anbietern von Hausgeräten, Gebäudetechnik und Sicherheitslösungen seien in Vorbereitung.

Der zuständige Telekom-Manager Holger Knöpke sieht gleich mehrere Gründe, warum jetzt die Zeit für das intelligente Haus gekommen ist. Zum einen sei Deutschland inzwischen praktisch flächendeckend mit schnellen Internetanschlüssen versorgt. Zum anderen haben sich Smartphones und Tablet-Computer als bequemes Steuergerät am Markt etabliert – in zwei, drei Jahren dürften schon 60 bis 70 Prozent der Handys Smartphones sein. Und die Verbraucher könnten es sich inzwischen vorstellen, auch ihre Haussysteme von den mobilen Geräten zu steuern, glaubt Knöpke. Außerdem sind die Preise für die Bauteile gefallen und die Debatte um Umweltschutz und Atomenergie bringe das Thema vernetztes Heim zusätzlich auf die Tagesordnung

Eine Schlüsselfrage sind dabei jedoch die Standards. Aktuell gibt es zwar schon diverse Anbieter von Lösungen für Heimautomation – aber viele Systeme sind nicht miteinander kompatibel. Die Kooperation der Industrieschwergewichte könnte jetzt helfen, einen Standard zu etablieren. „Wichtig ist, dass wir schnell sind“, betonte Miele-Manager Eduard Sailer in Berlin. Es sei besser, „wenn der Standard von uns ausgeht, als dass uns ein Standard aufgezwungen wird“. Mit dem üblichen Produkt-Austauschzyklus könne in 12 bis 13 Jahren ein großer Teil der Geräte in den Haushalten „Smart Connect“-fähig sein

Dass die Plattform zuerst in Deutschland eingeführt wird, habe auch gute Gründe. „Der Deutsche Markt ist ideal, um zu starten“, betonte Urban Keussen von Eon. Insbesondere nach der Entscheidung für den Atomausstieg sei Deutschland eine Art „Showroom für die Zukunft“. Zudem sei hierzulande die Bereitschaft der Bürger, sich mit Themen wie Energiesparen und Umweltschutz auseinanderzusetzen, höher als in vielen anderen europäischen Ländern. (dpa) / (uk)