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Deutsche Bahn will intelligente Videoüberwachung testen

Die Deutsche Bahn will ein System zur Videoüberwachung testen, das mittels Software Gefahrensituationen automatisch erkennen soll. Zum Testort wurde der Berliner Bahnhof Südkreuz erkoren.

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Deutsche Bahn will intelligente Videoüberwachung testen

(Bild: sxc.hu)

Die Deutsche Bahn will am Berliner Bahnhof Südkreuz noch in diesem Jahr eine neue Technik für Videoüberwachung testen, die bestimmte Gefahrensituationen automatisiert erkennen können soll. Dabei handelt es um ein gemeinsames Pilotprojekt von Bahn, Innenministerium und Bundespolizei, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf den Berliner Bahn-Chef Alexander Kaczmarek berichtet.

Ins Raster der Gefahrenerkennung sollen dem Bericht zufolge etwa Gepäckstücke fallen, die längere Zeit nicht mehr bewegt wurden. Ebenfalls könnten Personen auffallen, die sehr oft die Treppe rauf und hinuntergehen – da dieses Bewegungsmuster häufig bei Taschendieben vorkomme. Gesichtserkennung für einen automatischen Abgleich mit Fahndungsdatenbanken soll ebenfalls zum Repertoire des Überwachungssystems gehören. Auch bei der Bekämpfung von Graffiti erhoffen sich die Projektpartner Fortschritte. Einzelheiten zur eingesetzten Technik sind noch nicht bekannt.

Ein Starttermin für die Tests ist noch offen. Zu Beginn des Projektes sollen Hinweisschilder angebracht werden. Testpersonen sollen dann potenzielle Gefahrensituationen nachahmen und damit die Erkennungsfähigkeiten des Systems auf die Probe stellen. Im Alarmfall sei dann etwa ein Signalton über die Bahnhofslautsprecher denkbar.

Ein ähnliches System mit eingeschränkteren Fähigkeiten wird in Berlin bereits in den ICE-Tunneln eingesetzt, um Personen auf den Gleisen zu entdecken, schreibt die Berliner Morgenpost. Ob die nun geplante, deutlich mächtigere Technik auch mit dem Datenschutz vereinbar ist, muss sich zeigen. "Sobald mit intelligenter Videotechnik personenbezogene Daten verarbeitet werden, müssen wir uns das im konkreten Fall sehr genau anschauen", erklärte die Berliner Datenschutz-Beauftragte Maja Smoltczyk gegenüber der Zeitung.

Baden-Württembergs Chef-Datenschützer Stefan Brink sieht aber auch Vorteile bei der Technik. Es müsse dann nicht mehr 24 Stunden lang alles abgefilmt und vorgehalten werden, erklärte er kürzlich im Gespräch mit der Südwest-Presse. Vielmehr könnten etwa 95 bis 99 Prozent der Aufnahmen sofort verworfen werden, wenn die Erkennungssoftware eine Normallage feststelle. Ein Pilottest ähnlicher Technik ist auch bei der Mannheimer Polizei angedacht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich bereits im vergangenen August für den Einsatz automatisierter Gesichtserkennung an Bahnhöfen und Flughäfen ausgesprochen. Eine generelle Ausweitung von Videoüberwachung ist auch Teil eines Maßnahmenpakets zur inneren Sicherheit, das kürzlich vom Bundesrat durchgewunken wurde.

Die Deutsche Bahn will innerhalb der kommenden drei Jahre insgesamt 95 Millionen Euro in Videoüberwachung investieren. Derzeit betreibt sie rund 6000 Videokameras an mehr als 900 Bahnhöfen. Weitere 27.000 Kameras seien in Zügen des Nah- und S Bahnverkehrs installiert. Das zahle sich auch aus: Einen 2016 festgestellten Rückgang an Straftaten in Bahnhöfen und Zügen führte das Unternehmen auch auf die verstärkte Videoüberwachung zurück.

Es ist nicht der erste Versuch mit Gesichtserkennung an Bahnhöfen in Deutschland: Ein Ende 2006 unternommener Feldversuch des BKA am Mainzer Hauptbahnhof brachte jedoch ein ernüchterndes Ergebnis. Das damals eingesetzte 2D-Verfahren litt unter vielen Aussetzern, die Erkennungsraten lagen etwa bei schlechtem Kunstlicht zwischen 10 und 20 Prozent. (axk)

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