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Deutsche Bahn wirft Open-Data-Projekt Rechtsbruch vor

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Die Deutsche Bahn zeigt sich erbost über die Veröffentlichung ihrer Fahrplandaten durch das Projekt openPlanB. In einem offenen Brief wirft Birgit Bohle, Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Vertriebs GmbH, dem Projekt-Initator Michael Kreil "eindeutigen Rechtsbruch" vor. Er habe "Fahrplandaten von einer von uns herausgegebenen CD-ROM extrahiert und in das Format JSON konvertiert, um das Datenbankwerk und die Datenbank anschließend unter die ODbL zu stellen und sie als Torrent-Datei Dritten zum Download öffentlich zugänglich zu machen". Kreil habe damit ausschließliche Rechte der Bahn und von Dritten an der Datenbank verletzt; die Bahn wolle Kreil zivil- und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, falls er zum Wiederholungstäter werde. Außerdem werde die Bahn künftig nicht mehr mit openPlanB kooperieren.

Kreil hatte die Fahrplandaten Anfang dieses Monats veröffentlicht. Die betroffenen Verkehrsbetriebe hatten dazu keine Erlaubnis erteilt. Zuvor hatten die openPlanB-Macher ergebnislos mit Verkehrsunternehmen über eine Veröffentlichung der Fahrplandaten diskutiert. Bohle erläutert, die Bahn habe sich bislang vor allem aus Gründen der Qualitätssicherung verweigert. Sie habe in den Gesprächen aber auch klargestellt, dass die Deutsche Bahn Kooperationen grundsätzlich aufgeschlossen gegenübersteht. Die Deutsche Bahn arbeite daran, "möglichst vielen Menschen einfach und über innovative Kanäle Fahrplandaten und weitere Informationen zur Verfügung zu stellen".

Kreil habe Drittentwickler in den falschen Glauben versetzt, sie dürften die Daten weiterverwerten, schreibt Bohle weiter. Die nach Ansicht der Bahn illegale Aktion sei geeignet, Open-Data-Initiativen generell in ein negatives Licht zu rücken, sie leiste "der Skepsis gegenüber offenen Daten jedweder Art Vorschub". Allerdings zeigte sich die Bahn bereit, das Gespräch mit anderen Open-Data-Förderern zu suchen. Mathias Schindler von Wikipedia nimmt die Bahn hier beim Wort. Sein Projekt wisse, dass es nicht "um ein primär technisches Problem geht, sondern eine Reihe von rechtlichen Fragen zusätzlich zu den Aspekten Qualitäts- und Imagesicherung zu klären sind".

Mitte dieses Monats, als die Bahn eine Kooperation mit Google bekannt gab, hatte sich das Verkehrsunternehmen bereit gezeigt, seine Daten auch anderen Suchanbietern und Kartendiensten zur Verfügung zu stellen. Solche Projekte müssten aber "für uns kontrollierbar sein". Entscheidend sei, dass die herauskommenden Kundeninformationen "valide und stabil sind". Bei "Open Data" wisse die Bahn nicht, welche wie alten Bestände konkret genutzt würden und was wo ankomme. (anw)