Menü

Deutsche Behörden lassen HP-Büros in Moskau durchsuchen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 32 Beiträge

Die im Dezember bekannt gewordenen Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen frühere Mitarbeiter des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) wegen des Verdachts der Untreue, der Bestechung und der Steuerhinterziehung konzentrieren sich derzeit auf Russland: Am Mittwoch wurden auf Veranlassung der Dresdner Behörde Büros des HP-Konzerns in Moskau durchsucht. Einem Bericht des Wall Street Journals (WSJ) zufolge geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen in Höhe von 8 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit der Lieferung von Computer-Equipment im Gesamtwert von 35 Millionen Euro geflossen sein sollen. Besonders pikant dabei: Die Computerlieferung war für die russische Generalstaatsanwaltschaft bestimmt.

Laut WSJ umfasste der bereits im Jahr 2003 an Hewlett-Packard vergebene Großauftrag Notebooks, Workstations, Server und Netzwerktechnik. Ziel sei gewesen, ein Netz für den sicheren Datenaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden in ganz Russland aufzubauen. Abgewickelt wurde das Geschäft über Deutschland. Jahre später fielen bei einer Steuerprüfung bei einer Firma in Sachsen dann aber Scheinrechnungen auf, die offenbar im Zusammenhang mit der Computerlieferung nach Russland standen. Bei anschließenden Ermittlungen kam der Verdacht auf, dass gleich mehrere Briefkastenfirmen dazu gedient haben könnten, Geldströme ins Ausland zu verdecken. Dem Wall Street Journal zufolge führen die Spuren unter anderem nach Großbritannien, in die Schweiz, nach Lettland und Litauen.

Nicht ausgemacht hat man bislang aber offenbar den oder die Empfänger der 8 Millionen Euro. Der Sprecher der russischen Generalstaatsanwaltschaft, Wladimir Markin, erklärte am Mittwoch, man habe bei der Durchsuchungsaktion auf Bitte Deutschlands gehandelt. "Wir haben den zuständigen deutschen Organen Rechtshilfe geleistet", sagte Markin. Details oder Ergebnisse der Aktion wollte er aber nicht mitteilen. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatte im Dezember erklärt, man ermittle gegen mehrere Personen, drei davon seien bei HP beschäftigt gewesen. Der Konzern selbst gelte bei den Ermittlungen nicht als Beschuldigter, sondern als Geschädigter. Ein HP-Sprecher versicherte, dass man in der Sache eng mit den Behörden kooperiere. (pmz)