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Deutsche Chip-Industrie am Subventionstropf

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In Dresden wurde heute der Grundstein zu einer neuen Produktionslinie von Infineon Technologies gelegt – der ersten, in der DRAMs künftig auf Wafern von 300 mm Durchmesser gefertigt werden sollen. Stand der Technik sind heute 200-mm-Scheiben; verglichen damit versprechen die "Pizza-Wafer" den 2,5-fachen Ausstoß an Chips pro Prozess. Die Hersteller erhoffen sich davon Senkung der Produktionskosten um etwa 30 Prozent. Mit der neuen Fabrik, in die in den nächsten drei Jahren rund zwei Milliarden Mark investiert werden sollen, werde ein neues Kapitel in der Halbleiterindustrie aufgeschlagen, meinte der Vorstandsvorsitzende von Infineon- Technologie, Ulrich Schumacher.

Das Bundesforschungsministerium hatte allerdings die Hälfte der Entwicklungskosten von rund 500 Millionen Mark getragen – und für das Infineon-Projekt 167 Millionen Mark sowie für den Hersteller der Silizum-Scheiben, Wacker Siltronic in Burghausen (Oberbayern), 83 Millionen Mark an Fördermitteln bewilligt. Der Bau der Fertigungslinie selbst ist mit 2,2 Milliarden Mark veranschlagt, zu denen das Land Sachsen 620 Millionen Mark (28 Prozent) beisteuert. Schon in die Errichtung des ersten, 2,4 Milliarden Mark teuren Werkes, in dem Infineon heute 64-MBit- und demnächst auch 256-MBit-Chips herstellt, waren in den Jahren 1994 bis 1998 insgesamt 800 Millionen Mark an öffentlichen Mitteln geflossen.

In einem Pressegespräch am Vorabend der Grundsteinlegung für das neue Dresdner Infineon-Werk bemühte sich Forschungsministerin Edelgard Bulmahn sichtlich, die Subventionen ihres Hauses für das Großprojekt zu rechtfertigen. Produkt- und Verfahrensinnovationen seien zwar in erster Linie Sache der Unternehmen, "aber in diesem Falle war die Förderung notwendig, weil es nicht um ein einfaches Upscaling ging". Sie verwies auf die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Impulse sowie die Arbeitsplatzeffekte für die Volkswirtschaft und die Region. So seien schon in der ersten Phase des Projektes "650 hoch qualifizierte Arbeitsplätze" in Dresden und Burghausen entstanden; unter Berücksichtigung von Zulieferern, Abnehmern und Forschungsinstituten würden insgesamt 6.000 Dauerarbeitsplätze geschaffen, davon 5.100 in der Region Dresden. "Den gewährten Fördergeldern stehen erhebliche Mehreinnahmen der öffentlichen Hand gegenüber", betonte Bulmahn. Daneben flössen erhebliche Beiträge in die Kassen der sozialen Sicherungssysteme. Über einen Zeitraum von zehn Jahren hätten Studien einen Einnahmeüberschuss von mehr als einer Milliarde Mark nachgewiesen. "Besser kann man", meinte die Ministerin, "das Geld der Steuerzahler nicht anlegen". (Richard Sietmann) (jk)