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Deutsche Handelskammer: Internetzensur schadet Standort China

Das wirtschaftliche Klima in China wird rauer. Langsames Internet und Online-Zensur hemmen das Geschäft, klagt die deutsche Handelskammer.

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Internetcafé in Peking

China: Deutsche Unternehmen fordern schnelleres Internet.

(Bild: dpa, Michael Reynolds/Archiv)

Vor der Jahrestagung des chinesischen Volkskongresses hat die deutsche Wirtschaft Probleme mit schlechten Onlineverbindungen in dem Riesenland beklagt. "Das langsame Internet und die Internetzensur entwickeln sich zu einem zunehmenden Hemmnis für in China tätige Unternehmen und schaden dem Standort", sagte Alexandra Voss, Geschäftsführerin der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Peking.

Während des an diesem Donnerstag beginnenden Kongresses wird erwartet, dass Chinas Führung konkretere Pläne für die weitere Wirtschaftsentwicklung vorlegt. "Ein schneller und unkomplizierter Datenaustausch wird immer weniger gewährleistet", kritisierte Voss.

Die geringe Geschwindigkeit im Netz sei auch in der letzten Mitgliederumfrage der Außenhandelskammer als ein wachsendes Problem bezeichnet worden. "Die Klagen über das langsame Internet stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Punkte auf den Rekordwert von 59 Prozent", berichtete die Kammerchefin. Erst im Januar hatte China seine Internetsperren ("Great Firewall") ausgeweitet. Besonders Tunneldienste (VPNs) wurden massiv gestört. Mit ihnen hatten sich bislang Sperren umgehen lassen.

"Wir halten diese Entwicklung für kontraproduktiv, weil es den allgemeinen technologischen Fortschritt einer globalen Wirtschaft lähmt", sagte Voss. Die Europäische Handelskammer in China hatte die Internetzensur im vergangenen Monat sogar offen als geschäftsschädigend angeprangert.

Das wirtschaftliche Umfeld in China ist derzeit im Umbruch. "Nach drei Jahrzehnten müssen wir uns von BIP-Wachstumszahlen im zweistelligen Bereich verabschieden", erklärte Voss. Aber das Reich der Mitte habe bereits eine enorme ökonomische Größe erreicht, so dass deutsche Unternehmen weiterhin profitieren könnten: "Höhere technische Standards sowie ein zunehmender Automatisierungsdruck der Industrie kommen beispielsweise den Maschinenbauern zugute."

Gleichzeitig wachse die Nachfrage einer immer reicheren Mittelschicht nach Produkten und Dienstleistungen. "Gesundheitsversorgung, nachhaltige Stadtentwicklung, Energieeffizienz und grünes Bauen sind weitere, für Chinas Entwicklung strategisch wichtige Bereiche."

Wichtig sei jedoch die Art und Weise, in der das angekündigte Reformprogramm der chinesischen Führung umgesetzt werde. "Deutsche Unternehmen hoffen unter anderem auf eine Stärkung der Binnennachfrage und ein Umstellen auf eine höhere Wertschöpfungskette", sagte Voss.

Zugleich gehe es aber auch um einen fairen Marktzugang, den Abbau von Bürokratie sowie Rechtsstaatlichkeit. "Generell wird das Reformpaket von unseren Mitgliedern begrüßt, obwohl auch nach einem Jahr Details zu Maßnahmen relativ vage sind." Erste Impulse könnten dann von Donnerstag an auf dem Volkskongress gegeben werden. (mho)