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Deutsche Post will sich mit dem Internet-Brief "erneuern"

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E-Mail war gestern – jetzt sollen Bundesbürger der Deutschen Post AG zu mehr Umsatz verhelfen, indem sie sogenannte "Briefe im Internet" verschicken. Der Unterschied zur kostenlosen E-Mail? Auf den ersten Blick keiner, auch hier werden lediglich elektronische Dokumente online verschickt und in Postfächern abgelegt. Nach Ansicht von Jürgen Gerdes, bei der Deutschen Post AG für den Briefbereich verantwortlich, hat das neue Produkt Internet-Brief, das spätestens im ersten Quartal 2010 vermarktet werden soll, aber das Potenzial zum großen Sprung: "Wenn das klappt, erneuern wir uns quasi selbst", sagte Gerdes bei der Präsentation der Halbjahresbilanz des Konzerns am gestrigen Donnerstag in Bonn.

Woher der Optimismus der Deutschen Post stammt? Nun, der ehemalige Staatsbetrieb setzt offenbar darauf, einer der Big Player im De-Mail-Konzept der Bundesregierung zu werden. Dieses sieht vor, dass staatlich zertifizierte und akkreditierte Provider aus der Privatwirtschaft künftig Lösungen anbieten, über die ein sicherer Austausch rechtsgültiger elektronischer Dokumente zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen über das Internet möglich wird. Eine Idee, die im Übrigen nicht den Köpfen von Innenpolitikern in Berlin entsprungen ist, sondern auf der Umsetzungspflicht einer EU-Dienstleistungsrichtlinie basiert, die verlangt, dass die elektronische Kommunikation im Behörden-Bürger-Verkehr bis Ende 2009 etabliert wird (PDF-Datei).

Im Spreewald setzt die Deutsche Post auch Kähne bei der Zustellung ein - einfacher wird's beim Internet-Brief.

(Bild: Deutsche Post)

Zwar sieht das De-Mail-Konzept vor, dass von den jeweiligen Providern ein Basisdienst kostenlos angeboten werden muss, ihnen steht es aber frei, darüber hinausgehende kostenpflichtige Mehrwertdienste zu vermarkten. Und genau das plant die Deutsche Post AG: Nach einer kostenpflichtigen Registrierung sollen Kunden von einem Spam-freien elektronischen Briefkasten der Post profitieren, über den per Anbindung an das Online-Banking etwa Rechnungen empfangen und gleich bezahlt werden können. Auch Urkunden sollen verschickt und unterschrieben werden können, ohne dass es Einschränkungen bei der Gültigkeit gibt. Ein "Dokumenten-Safe" soll eine sichere Archivierung der digitalen Schriftstücke garantieren.

Preise für Internet-Brief-Konten bei der Deutschen Post stehen bislang allerdings noch nicht fest. Unbeantwortet ist auch die Frage, ob die Post für bestimmte Internet-Brief-Dienstleistungen künftig ein "e-Porto" einführen wird, das Umsatzrückgänge im traditionellen Briefgeschäft kompensieren könnte. In diesem Bereich waren der Ergebnisse des Post-Konzerns im zweiten Quartal teilweise deutlich zurückgegangen. So sank der Umsatz um 6,7 Prozent auf 3,21 Milliarden Euro, das EBIT-Ergebnis (Gewinn vor Zinsen und Steuern) sackte um 38 Prozent auf 171 Millionen Euro ab. Das, obwohl die Kosten im Briefbereich Konzernangaben zufolge in den ersten sechs Monaten des Jahres um 180 Millionen Euro reduziert wurden.

Postkonzerne in anderen Ländern gehen unterdessen andere Wege, um den Umsatz zu steigern. So bietet etwa die Schweizerische Post seit Mitte Juni den Dienst Swiss Post Box an, bei dem Kunden in der Schweiz und Deutschland sich ihre physische Briefpost in digitaler Form zuschicken lassen können. Mit der kostenpflichtigen Registrierung für den Dienst erlaubt der Kunde der Post dabei, an ihn gerichtete Briefe entgegenzunehmen, einzuscannen und in einem elektronischen Briefkasten abzulegen. Seinen Korrespondenzpartnern (etwa Bank, Versicherung, Arbeitgeber) teilt der Kunde dazu eine spezielle (Postfach-)Adresse mit, die in der Regel identisch mit der Adresse des jeweiligen Scanning Center ist. Die Swiss Post Box richtet sich vor allem an Firmen und Personen, die viel unterwegs sind. (pmz)

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