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Deutsche Telekom: De-Mail geht zur IFA in Betrieb

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Zur Internationalen Funkausstellung geht die Deutsche Telekom am 31. August mit der De-Mail an den Markt und macht damit nach eigener Aussage einen wichtigen "Schritt in die Gigabit-Gesellschaft". Privatkunden und kleine Betriebe werden zum Start des Systems mit 50 Gratismails pro Monat gelockt (sonst 39 Cent per Mail), Großkunden brauchen 6 Monate lang den monatlichen Grundpreis von rund 270 Euro pro 1000 Mitarbeiter nicht zu zahlen. Mit dabei als erste Kunden: die Allianz-Versicherung und die Targobank.

Die Videokonferenz zur De-Mail-Einführung.

De-Mail ist nach Ansicht des Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme die richtige Antwort auf die Unzulänglichkeiten der E-Mail. Diese werde mitgelesen, gefälscht, mit Werbespam geflutet und sei, wenn sie sicher mit Verschlüsselung arbeiten soll, alles andere als trivial. Die einfache, für Privatkunden "weitgehend kostenfreie" De-Mail werde alles grundlegend ändern. Van Damme zog auf der Pressekonferenz zum Start von De-Mail den Vergleich zur Schallplatte: "Diese Technik wurde abgelöst, das wird auch für die E-Mail gelten." Mit 1,5 Millionen vorregistrierten Privatkunden und einer fünfstelligen Zahl von Unternehmen zeichne sich eine Erfolgsgeschichte ab. Im ersten Jahr soll De-Mail nach den Berechnungen der Telekom 29 Prozent der Geschäftsbriefe und 39% des Faxverkehrs ersetzen und damit bereits 77% der CO2-Emissionen und 3,5 Milliarden Blatt Papier einsparen, die die klassische Post produziert. Als Umsatzerwartung für das erste Jahr peilt die Telekom nach van Damme einen "dreistelligen Millionenbetrag" an.

De-Mail soll bei der Allianz-Versicherung dazu beitragen, Prozesse unterschriftsfrei zu gestalten, erklärte Alexander Vollert, Vorstand Betriebsorganisation der Versicherung. Durch den weitgehenden Wegfall der Schriftformerfordernis könnten mit De-Mail unterschriebene Anträge verschickt und Unterlagen eingereicht werden, die schnell und sicher dank identifizierter Herkunft sofort weiterbearbeitet werden können. Nach Angaben von Vollert verarbeitet die Allianz im Posteingang 120 Millionen Seiten pro Jahr, wobei 70% per Brief/Fax und bereits jetzt schon 30% per Mail eingehen. Bei den 70% handele es sich überwiegend um Seiten, die unterschrieben werden mussten, dies soll ab sofort eine Lösung der Vergangenheit sein. Auf Nachfrage erklärte Vollert, dessen Versicherung auch Kunde im konkurrierenden ePost-System der Deutschen Post ist, dass dort das ePost-Aufkommen bisher "kein substanzielles Volumen" erreicht habe.

Jürgen Lieberknecht, bei der Targobank für Produktmanagement und Marketing zuständig, erklärte auf der Pressekonferenz, dass man über 600 Prozesse identifiziert habe, die man per De-Mail abwickeln könne. Als "Knüller" nannte Lieberknecht den Versand von Kontoauszügen und Kreditkartenabrechnungen per Mail, die einfache Angabe von Adressänderungen, das Beantragen von Stundungen oder Erhöhungen des Kreditkartenlimits. Zudem werde die Bank ihre Kunden per SMS über den Versand von De-Mail informieren und eine besondere Sicherheitsgarantie gegen Mail-Missbrauch einführen.

Seitens der Telekom äußerte der für De-Mail geschäftsverantwortliche Manager Frank Wehrmeyer die Hoffnung, dass mit der anstehenden Novellierung des eGovernment-Gesetzes auch die kleine Restmenge an Schriftformerfordernissen abgebaut werden könnte, die heute noch nicht via De-Mail funktionierten. Als Beispiel nannte er die Kündigung des Arbeitsplatzes. Auf Nachfrage von heise online, warum die Telekom zum Start keine Behörden und Verwaltungen präsentieren kann, antwortete Wehrmeyer, dass man sich hier noch in der Angebotsphase befinde. Ein Problem, das ausländische Konzerne bzw. europäische Dienstleister in De-Mail einen deutschen Alleingang beklagen könnten, sah er nicht. Schließlich könnten sich auch diese unkompliziert am De-Mail-System beteiligen zumal zahlreiche Gateways und Plug-Ins für die verschiedenen Mailsysteme zur Verfügung ständen.

Ein Blick auf die aktuellen Behördenprojekte (PDF-Datei) im De-Mail-Kompetenzzentrum des Bundes zeigt, dass viele Behörden noch erheblichen Anpassungsbedarf der De-Mail an den Behördenalltag sehen. So müsse es für Gewerbeanmeldungen eine einfache Möglichkeit der End-to-End-Verschlüsselungen geben. Außerdem müsse die qualifizierte elektronische Unterschrift integriert werden. Gegenüber heise online erklärte Guido Bremer, De-Mail Beauftragter von Mecklenburg-Vorpommern: "Für die Einzugsermächtigung ist die Schriftform vorgeschrieben. Da nur die Qualifizierte elektronische Signatur (QES) der Schriftform gleichgestellt ist, musste im Rahmen dieser Prozessbetrachtung auf die QES zurückgegriffen werden. Die eID-Funktion des neuen Personalausweises (nPA) erfüllt nicht das hier vorgeschriebene Schriftformerfordernis."

Parallel zum Start der De-Mail bei der Telekom kündigte der De-Mail Mitbewerber United Internet für seine De-Mail Angebote bei GMX und Web.de an, dass man für vorregistrierte Benutzer, die sich ihren vollen Namen reservieren wollten, ab sofort eine unkomplizierte Identifikation starten werden. Für GMX und Web.de-Kunden sei der Besuch einer TNT/Hermes-Filiale für die Vorlage des Personalausweises nicht nötig. Nach eigenen Angaben will United Internet sein De-Mail-Angebot Ende des Jahres starten.

In einer ersten Reaktion auf De-Mail meldete sich die Piratenpartei zu Wort. Der stellvertretende Vorsitzender Markus Barenhoff erklärte, es sei völlig unverständlich, warum Verbraucher plötzlich 39 Cent pro E-Mail zahlen sollen, ohne daraus sinnvollen Nutzen ziehen zu könne. Nicht einmal die Möglichkeit, mit Nutzern herkömmlicher E-Mail-Dienste zu kommunizieren, werde geboten. Ihre Ablehnung der De-Mail begründet die Partei ausführlich in ihrem Wiki. (axk)