Deutsche Telekom setzt auf das "Future Internet"

Mit Forschungsprojekten zur Netzvirtualisierung wollen die T-Labs der Deutschen Telekom neue Architekturen entwickeln und Migrationspfade ausloten.

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  • Richard Sietmann

In der Transformation auf die Next-Generation Networks setzt die TK-Branche auf "all-IP", den durchgängigen Einsatz der IP-Protokolle vom Anschlussnetz bis in die Backbones. Aber für die Netzbetreiber ist das offenbar eine zweischneidige Angelegenheit. Das Gute daran wäre, dass die Ausgaben für Router sinken; schlecht hingegen sei, "dass die Erlöse sogar noch schneller fallen als die Kosten", erklärte Udo Bub aus der Abteilung Innovationsentwicklung bei den T-Labs der Deutschen Telekom heute auf dem Future Internet Symposium FIS 2009 in Berlin.

Aber der Trend ist eindeutig. Wo bisher TK-Dienste wie Telefonie, Datenübertragung und Mobilfunk an dienstspezifische ISDN-, ATM- oder GSM-Netze gebunden waren, werde künftig "IP als eine universelle Konvergenzschicht für ein dienstneutrales Netz dienen", führte Bub aus. Nur ist das heutige IPv4 nicht das, was die Netzbetreiber als Plattform brauchen, selbst IPv6 "ist nicht wirklich zukunftssicher". An vielen Stellen wird deshalb bereits mit massiver Förderung der EU am Future Internet gearbeitet. So ist die Deutsche Telekom gemeinsam mit anderen Carriern unter anderem an den Forschungsprojekten 4WARD, Trilogy und dem paneuropäischen Testbed PanLab beteiligt.

Bub, der zur vierköpfigen Führungsriege der Deutschen Telekom Laboratories gehört, warnte jedoch vor dem Hype-Zyklus überzogener Erwartungen an das Future Internet. Viele Konzepte lägen zwar bereits vor, doch die Umsetzung könne "nicht nach dem Wasserfall-Modell" erfolgen und werde "mit Sicherheit erst in mehr als fünf Jahren" beginnen.

Auf dem Weg dorthin sei die Netzvirtualisierung, bei der ähnlich wie bei der Virtualisierung von Betriebssystemen auf derselben PC-Hardware mehrere Netze auf einer gemeinsamen physikalischen Infrastruktur koexistieren können, ein guter Ansatz zur experimentellen Erprobung neuer Architekturen und Migrationspfade. Aber die heutigen Protokolle würden die Netzvirtualisierung noch nicht richtig unterstützen. "Was fehlt, ist ein End-to-End-Konzept für all die Virtualisierungsansätze". In jedem Fall eröffneten sich mit der Netzvirtualisierung neue Geschäftsmodelle im Future Internet, erläuterte Bub. Die brächten dann auch neue Akteure ins Spiel – zu den Betreibern der physikalischen Infrastruktur würden sich Virtual Network Provider und Virtual Network Operator gesellen.

Mit der Netzvirtualisierung, so steht wohl zu erwarten, kommen die dienstspezifischen Netze in neuem Gewand und vielfältiger denn je dann wieder – nur halt viel flexibler, weil sie nicht mehr so eng an die Hardware gebunden sind. (Richard Sietmann) / (pmz)