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Deutsche Telekom wieder mit Milliarden-Gewinn

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Die Deutsche Telekom hat im dritten Quartal wieder einen Milliarden-Gewinn eingefahren. Der Überschuss betrug gut 2,4 Milliarden Euro nach einem Minus von 1,36 Milliarden Euro im Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bonn mit. Seit Anfang des Jahres verdiente der Telekom-Konzern damit 4,37 Milliarden Euro gegenüber einem Verlust von 150 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der Quartalsumsatz stieg um 4,8 Prozent auf 15 Milliarden Euro, der Umsatz in den ersten neun Monaten um 3,6 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro. Insgesamt erwartet die Telekom für 2006 und 2007 wieder ein Umsatzwachstum von jeweils 5 Prozent.

Die Festnetzsparte, durch Mobilfunkangebote und verstärkte Konkurrenz bei Telefonie und DSL-Zugangspreisen unter Druck, verzeichnete allerdings einen um 2,3 Prozent niedrigeren Quartals- und um 3,8 Prozent niedrigeren 9-Monats-Umsatz – T-Online konnte zwar zulegen, hohe Umsatzrückgänge bei der T-Com resultierten dann insgesamt in einem Umsatzrückgang bei der Festnetzsparte. Bei den DSL-Anschlüssen stieg die Zahl im gesamten Konzern auf 7,7 Millionen, ein Zuwachs von 42,6 Prozent. Auf Deutschland entfielen 7,3 Millionen DSL-Anschlüsse (plus 40,4 Prozent), davon waren 1,1 Millionen Resale-DSL-Anschlüsse.

Die Telekom profitierte erneut vor allem von Zuwächsen im Mobilfunk. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile steigerte im dritten Quartal die Zahl der Kunden um 2,2 Millionen. Davon entfielen 530.000 auf Deutschland, T-Mobile USA konnte einen Zuwachs um 1,1 Millionen Kunden verzeichnen. Insgesamt hat T-Mobile einschließlich der Tochterunternehmen mittlerweile 83,1 Millionen Mobilfunkkunden.

Europas größter Telekom-Konzern hatte zuletzt mit dem Plan zum Abbau von 32.000 Arbeitsplätzen für Aufregung gesorgt. Unter anderem die Gewerkschaften kritisierten die Streichungen mit Blick auf die Milliarden-Gewinne scharf. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke verweist jedoch darauf, dass der Konzern im harten Wettbewerb die Kosten weiter senken und Überkapazitäten abbauen müsse. Durch die Trennung von 32.000 Mitarbeitern sollen die jährlichen Kosten vom Jahr 2009 an um 1,7 Milliarden Euro gedrückt werden, geht aus der Präsentation von Ricke zu den Quartalsbilanzen hervor, die die Telekom am Mittwochmorgen veröffentlichte.

Die Kosten für den angekündigten Stellenabbau beziffert die Telekom auf 3,3 Milliarden Euro. Da 7000 Beschäftigte neu eingestellt werden sollen, sinkt die Mitarbeiterzahl unter dem Strich um 25.000. Die Telekom spart nach eigenen Angaben mit jeder abgebauten Stelle durchschnittlich 50.000 Euro im Jahr. Rund ein Drittel der vom Abbau betroffenen Mitarbeiter sollen Beamte sein, für die unter anderem Vorruhestandsregelungen vorgeschlagen werden. Die Gespräche mit der Bundesregierung über ein dafür nötiges Gesetz sollen bis Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden. Die Telekom will zudem künftig mehr Beamte an den Bund zurückgeben. Das Bonner Unternehmen hat bereits 3000 Mitarbeiter aus seiner Personalserviceagentur an die Bundesagentur für Arbeit ausgeliehen. Darüber hinaus laufen Gespräche über weitere Kooperationen. Für jeden Beamten, der in den Staatsdienst zurückgeht, zahlt die Telekom 135.000 Euro an den Bund.

Im kommenden Jahr will die Telekom 1,2 Milliarden Euro zusätzlich ausgeben, um ihre Marktposition zu verteidigen, hieß es weiter. Dadurch werde der operative Gewinn etwas geringer als 2005 sein. Im Jahr 2007 solle sich die größere Kundenbasis dann wieder in Gewinnzuwächsen niederschlagen, kündigte die Telekom an. Ricke hatte mehrfach betont, die Telekom werde auch einen zeitweisen Ergebnisrückgang hinnehmen, um Marktanteile gegen den wachsenden Druck der Wettbewerber zu halten. Besonders das Geschäft mit DSL und Mobilfunk will der Konzern kräftig ausbauen. Bis Ende des Jahres 2007 solle die Zahl der Mobilfunkkunden um 8,2 Millionen gesteigert werden. Die Zahl der DSL-Anschlüsse soll auf 11,5 Millionen klettern.

Angesichts des geplanten Stellenabbaus und aus Anlass der Bilanzvorstellung soll es am heutigen Mittwoch vor der Konzernzentrale in Bonn zu Protestaktionen kommen. Rund 350 Vertrauensleute aus Telekom-Betrieben in Nordrhein-Westfalen wollen sich vor dem Unternehmenssitz versammeln. Aus Gewerkschaftssicht ist der Stellenabbau wegen der guten Geschäftslage nicht gerechtfertigt. Am Nachmittag soll ein Protestschreiben an den Vorstand übergeben werden. Die Beschäftigten hätten zur Entschuldung des Konzerns ebenso massiv beigetragen, wie sie dem Unternehmen wieder zu glänzenden Zahlen und den Aktionären zu einer ansehnlichen Dividende verholfen hätten, meinten Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. (jk)