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Deutsche Telekom will Mobilfunk besser verschlüsseln

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Die Deutsche Telekom hat angekündigt, alle Basisstationen für das GSM-Mobilfunknetz bis zum Jahresende mit dem Verschlüsselungsalgorithmus A5/3 auszurüsten. Dadurch könne man den Kunden mehr Abhörsicherheit bieten, versicherte der für den Datenschutz bei dem Bonner Konzern zuständige Vorstand Thomas Kremer der "Wirtschaftswoche".

Die Telekom kommt mit dem Schritt offenbar auch im Lichte der NSA-Affäre alten Forderungen von Sicherheitsexperten nach. Diese hatten Ende 2010 vorgeführt, wie sich Mobilfunkgespräche im GSM-Netz mithilfe eines aufgerüsteten Billig-Handys, eines Laptops und der freien Software Osmocom angesichts der schon zuvor dokumentierten Schwachstellen des bislang eingesetzten A5/1-Kryptostandards nahezu in Echtzeit entschlüsseln und mitschneiden lassen. Auch weitere Missbrauchsmöglichkeiten etwa über Premiumnummern demonstrierten die Forscher.

Im Mobilfunknetz der Telekom verzögerte sich die Einführung der neuen Sicherheitstechnik dem Bericht nach einige Monate, weil bei zwei Handytypen älterer Bauart Störungen im Zusammenspiel mit A5/3 auftraten. Für die betroffenen 50.000 Kunden habe erst eine Spezialsoftware entwickelt werden müssen. Die dafür erforderlichen Praxistests habe man im November erfolgreich abgeschlossen.

Branchenkennern zufolge waren im vorigen Jahr in westeuropäischen Ländern erst relativ wenige Handys verbreitet, die den neuen Verschlüsselungsstandard beherrschen. In Deutschland war damals von einer Quote zwischen 10 und 25 Prozent die Rede. Das 2011 gestartete Projekt GSMMap versucht per Crowdsourcing aufzuzeigen, inwieweit Mobilfunkanbieter Lücken bei der GSM-Sicherheit bereits geschlossen haben. Deutsche Netzbetreiber befinden sich demnach derzeit vielfach noch im "roten Bereich".

Die Telekom-Konkurrenten Vodafone, E-Plus und O2 werden A5/3 voraussichtlich erst in den kommenden Jahren in der Fläche einführen. Vodafone wollte hier ursprünglich eine Vorreiterrolle einnehmen und den weniger Angriffsflächen bietenden Algorithmus schon bis März implementiert haben. Wegen technischer Probleme wird das Vorhaben nun aber wohl erst 2015 umgesetzt. Bislang hat der Anbieter nur eine als besonders sensibel geltende Funkstation am Reichstag und Bundeskanzleramt entsprechend umgerüstet. (Stefan Krempl) / (ea)

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