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Deutsche Verbraucher verschulden sich weniger leichtfertig

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Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland schon länger rückläufig ist, zeichnet sich nun auch eine mögliche Wende bei den Privatinsolvenzen ab. Im November 2007 registrierte das Statistische Bundesamt (Destatis) erstmals seit Inkrafttreten der Insolvenzordnung (InsO) am 1. Januar 1999 einen Rückgang der Verbraucherinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahresmonat – die Zahl ging um 3,2 Prozent auf 9376 zurück. Für das Gesamtjahr 2007 ermittelten die Statistiker dennoch einen weiteren Anstieg von 9 Prozent auf insgesamt 105.238 Verbraucherinsolvenzen.

Im Vorjahr kletterte die Zahl der Privatinsolvenzen hierzulande auf über 96.000 Fälle und damit um mehr als 40 Prozent gegenüber 2005. Für den deutlich gebremsten Anstieg machen die Inkassoexperten der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG nicht nur die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die gesunkenen Arbeitslosenzahlen verantwortlich, auch die zunehmende Schuldnerberatung und die diesbezügliche Berichterstattung in den Medien lasse Konsumenten vorsichtiger bei der Kreditaufnahme agieren.

Außerdem geben sich Banken gegenüber Verbrauchern wie auch Kleinbetrieben und Selbständigen mittlerweile wieder zurückhaltender bei der Vergabe von Krediten. Eine Trendwende der Verschuldungssituation in Deutschland sei vor allem auch an Frühindikatoren wie der Eidesstattlichen Versicherung und Haftanordnungen zu erkennen, erläutert Iris Stadie, Unternehmenssprecherin von Bürgel. Denn diese Maßnahmen gehen in der Regel einer Privatinsolvenz voraus. "Sehr oft beginnt der Weg in die Schuldenfalle mit den ersten Inkassoverfahren. Häufig sind es diese Verbraucher, die nach der Eidesstattlichen Versicherung und der Haftanordnung dann schließlich vor dem Insolvenzrichter stehen", erklärt Stadie.

Im Rahmen des seit 1998 halbjährlich erstellten Schuldenbarometers (Zahlungsmoral deutscher Konsumenten) konnte Bürgel einen weiteren Rückgang der sogenannten Frühindikatoren registrieren. Die Zahl der Eidesstattlichen Versicherungen beispielsweise ist seit 2004 rückläufig und sank von knapp 1,1 Millionen auf zuletzt weniger als 959.000. Auch die Zahl der Haftanordnungen ging im gleichen Zeitraum um gut 5 Prozent zurück. Die Zahlungsmoral verbessert sich demnach zusehends. "Die Entwicklung der Privatinsolvenzen ist unserer Erfahrung nach direkt an die Entwicklung der Frühindikatoren gekoppelt und schlägt sich zeitversetzt in der Statistik nieder", erläutert Bürgel-Sprecherin Stadie. Demzufolge rechnet das Unternehmen auch für 2008 mit einer weiter rückläufigen Zahl von Verbraucherinsolvenzen. (map)