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Deutsche Wikileaks-Domain gesperrt

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Die deutsche Domain des Wikileaks-Projekts, das sich der Veröffentlichung von geheimen Informationen und Dokumenten verschrieben hat, ist derzeit nicht erreichbar. Einer Pressemitteilung zufolge wurde wikileaks.de bereits am 9. April "ohne Vorwarnung durch die deutsche Registrierungsstelle Denic gesperrt". Offenbar steht der Vorgang im Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer australischen Zensurliste auf wikileaks.de. Mitte März hatten die Betreiber eine nicht-öffentliche Liste der Australian Communications and Media Authority (ACMA) ins Netz gestellt, auf der mehr als eintausend Internet-Angebote mit angeblich kinderpornografischen Inhalten verzeichnet waren.

Fünf Tage später fand dann beim Inhaber der Domain wikileaks.de, Theodor Reppe, eine Hausdurchsuchung statt. Die Staatsanwaltschaft Dresden erklärte, man habe gegen den Beschuldigten auf einen Hinweis hin "aus dem polizeilichen Bereich, der einen Anfangstatverdacht begründete, ein Ermittlungsverfahren wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften eingeleitet und eine richterliche Eilanordnung durch die diensthabende Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Dresden für eine Durchsuchung der Wohnung erwirkt". Die Eilanordnung sei geboten gewesen, "da die infrage kommende Straftat andauerte".

Die Wikileaks-Betreiber werfen den Behörden nun vor, "eine ganze Presseorganisation wegen einem von hunderttausenden Dokumenten zu schließen, ohne den Herausgeber überhaupt zu kontaktieren". Kontaktinformationen zu Wikileaks seien auf jeder Seite des Portals zu finden. Die Situation erinnere an den Rechtsstreit zwischen Wikileaks und der Schweizer Bank Julius Baer im vergangenen Jahr. Nachdem Wikileaks brisante Dokumente über das Geschäftsgebaren der Bank veröffentlicht hatte, beantragte diese eine Sperrung der Domain wikileaks.org, der ein kalifornischer Richter zunächst auch entsprach. Erst nach einigen Tagen wurde die Sperrung wieder aufgehoben. (pmz)

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