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Deutscher MySpace-Konkurrent startet mit Geld von Bertelsmann

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Die Online-Community Bloomstreet hat am heutigen Mittwoch ihre Pforten geöffnet und will insbesondere jungen Surfern viel Raum für Selbstdarstellung mit Musik, Videos und Mashups, Kommunikation sowie Information bieten. "Hauptzielgruppe sind die 15- bis 24-Jährigen", erklärt Christoph Homann, einer der beiden Gründer des hinter dem Portal stehenden Berliner Startup W/rite Media. Anspruch der Macher ist es, eine auf den deutschsprachigen Raum zugeschnittene Community-Plattform auf dem aktuellen Stand der Technik mit Web-2.0-Anwendungen anzubieten. Homann und sein Kollege, Pascal Zuta, rechnen sich daher gute Chancen aus, dem Platzhirschen MySpace Marktanteile hierzulande abzujagen und neue Nutzergruppen zu erschließen. Der Veteran sei bei Funktionen und Design auf dem Stand von 2003 stehen geblieben, rümpfen die Herausforderer die Nase über die weltweit größte Netzgemeinschaft. Deren "Usability" lasse insgesamt zu wünschen übrig.

Bloomstreet wartet auf seinen sich noch im Beta-Stadium befindlichen Profilseiten mit einer Art virtuellen Steckerleiste für einzelne Module auf, die sich mit Inhalten und Applikationen füllen lassen. Als Trumpfkarte setzen die Gründer auf das Feature "Freestyle Mash", mit dem sich etwa Grafikdateien, Spiele, Videos, Diashows oder Chat-Boxen auf der eigenen Homepage innerhalb der Community einbinden lassen. Dazu soll es ausreichen, den Code für ein entsprechendes "Mashup-Widget" in den "Page-o-Mat", die Editierhilfe zum Designen von Bloomstreet-Seiten, einzugeben. "Wir haben die Plattform radikal an die Nutzerbedürfnisse angepasst", gibt Homann als Devise aus. Das gehe am besten im überschaubaren, nicht komplett internationalen Bereich, da etwa auf die Site setzende Künstler und Musiker ebenfalls zunächst ein lokale Publikum ansprechen wollten.

Die Bezeichnung "MySpace"-Klon hören die beiden Gründer generell nicht gern, die es sich nach mehreren Umzügen innerhalb von Berlin Ende vergangenen Jahres in einer 338 Quadratmeter umfassenden Fabriketage im hintersten Kreuzberg unweit der Spree gemeinsam mit einem guten Dutzend ersten Mitarbeitern bequem gemacht haben. "Das ist wie bei einem Auto", stellt Homann einen Vergleich an. "Es gibt Grundfunktionen wie vier Reifen und Sitze, aber beim Rest orientiert sich jeder an seinem Geschmack." Um hier die Nutzer anzusprechen, müsse man den lokalen Markt genau kennen. Der Zeitpunkt des Einstiegs in das boomende Geschäft mit Communities sei weniger entscheidend als das Angebot an die Surfer, sich auf der Plattform wohl zu fühlen und ihren Persönlichkeiten Ausdruck verleihen zu können.

Damit die Bloomstreet vor dem richtigen Erblühen nicht etwa schon an Geldmangel eingeht, hat sich das junge Unternehmerteam Unterstützung vom Fonds Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI) aus New York gesichert. Wie viel Kohle die Tochter des Gütersloher Medienriesen in das Projekt gesteckt hat, wollen die Gründer nicht verraten. Die Mittel würden ausreichen, um flexibel zu bleiben. Zunächst war in sogar spekuliert worden, dass Bertelsmann direkt via Bloomstreet in den Markt für Online-Gemeinschaften einsteigen wolle. Homann hebt dagegen die Unabhängigkeit des Startups hervor: "Die Plattform trägt allein unsere Handschrift."

Mit dem Geld vom Medienhaus auf dem Konto spielt aber zumindest das Thema Urheberrecht eine große Rolle bei Bloomstreet. Allen Mashups zum Trotz "ist die Einhaltung des Copyright ein wichtiger Punkt für uns", versichert Zuta. Profile, auf denen Rechtsverletzungen festzustellen seien, würden umgehend gelöscht. Man wolle "Wildwuchs" von vornherein einzuschränken versuchen. In Frage dafür kämen auch Kooperationen mit Lizenzierungsdatenbanken wie Gracenote, wie sie MySpace inzwischen praktiziert. Überdies setze man auf technische Filter, die gleichzeitig die Jugendfreiheit der Site gewährleisten sollen. Alle Nutzer können ferner anstößige Inhalte "flaggen" und so einer Meldestelle für eine Überprüfung bekannt geben. Als Einnahmequellen sollen hauptsächlich Werbung, Sponsoring und mittelfristig Kooperationen mit Mobilfunkanbietern zur besseren Verknüpfung der Community-Inhalte mit der drahtlosen Welt dienen.

Bei Medienkonzernen stehen die Online-Gemeinschaften derzeit hoch im Kurs. Rupert Murdoch blätterte im vergangenen Jahr rund 580 Millionen US-Dollar für MySpace mit inzwischen rund 160 Millionen Profilen weltweit hin, während dem Holtzbrinck-Verlag das Portal StudiVZ Anfang des Jahres über 50 Millionen Euro wert war. MySpace arbeitet seit November mit einem Berliner Büro verstärkt selbst an der Lokalisierung der Plattform für deutsche User. Nach Angaben der Landesmanager waren bereits Anfang des Jahres unzählige deutsche Bands in der Community vertreten. Die Gesamtzahl der deutschsprachigen Profile lag bei 2,5 Millionen. (Stefan Krempl) / (jk)

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