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Deutscher Schüler räumt einen der Hauptpreise bei Jungforscher-WM ab

Erstmals geht einer der mit 50.000 US-Dollar dotierten Hauptpreise des weltgrößten Bildungswettbewerbs Intel ISEF an einen jungen Forscher aus Deutschland.

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Weltmeister der Jungforscher: Shannon Lee (Singapur, links) und Lennart Kleinwort (Würzburg, Mitte) belegen den zweiten Rang bei der Intel ISEF 2014, Nathan Han (USA, rechts) räumt den mit 75.000 US-Dollar dotierten Hauptpreis ab.

Der 15-jährige Lennart Kleinwort aus Würzburg hat beim internationalen Finale der Intel ISEF (International Science and Engineering Fair) 2014 einen der beiden prestigeträchtigen Young Scientist Awards eingeheimst. Damit gehört er zu den drei Hauptpreisträgern des mit 1780 Teilnehmern aus 70 Staaten weltweit größten Forschungswettbewerbs für Schüler und kann sich über ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar freuen. Der mit der höchsten Summe von 75.000 US-Dollar ausgestattete Gordon E. Moore Award ging an den ebenfalls 15-jährigen US-Amerikaner Nathan Han. Er entwickelte eine selbstlernende Software, die zum Untersuchen von Mutationen eines für Brustkrebs verantwortlichen Gens dient. Die Anwendung kann mit einer Trefferquote von 80 Prozent feststellen, ob eine Mutation bös- oder gutartig ist.

Kleinworts Projekt ist die FreeGeo genannte kostenfreie Software für Android-Smartphones und -Tablets. Die App ist die erste dynamische Mathematikanwendung für Android und stellt unter anderem geometrische Figuren auf dem Display dar. Der Anwender kann die Figuren auf dem Touchscreen manipulieren und im Freihandmodus Strecken, Kreise, Quadrate oder Rechtecke zeichnen. "Niemals habe ich damit gerechnet, hier überhaupt einen Preis zu gewinnen. Nach den Jurorengesprächen war ich sogar davon überzeugt, mit meinem Projekt in der falschen Kategorie angetreten zu sein", sagte Kleinwort. "Umso toller ist es, jetzt mit dem Wahnsinnspreis ausgezeichnet worden zu sein."

Lennart Kleinwort (15) hat eine Android-App programmiert, die das Ergebnis mathematischer Berechnungen grafisch darstellt und per Touch-Eingabe deren Manipulation erlaubt.

Gedacht ist die App als Ergänzung zum Mathe-Unterricht: Sie visualisiert ohne Aufwand die Berechnungen des Schülers und macht das Ergebnis so grafisch anschaulich. Auch Lehrer bedienen sich der App und können mit ihr die Resultate von Rechenwegen darstellen. Kleinwort hat alle gängigen Funktionen aus Geometrie, Algebra, Statistik und Analysis in die Software gepackt. Vergleichbare kostenfreie Anwendungen gibt es ihm zufolge bislang nicht.

Neben Kleinwort zeichneten die Juroren von der aus Deutschland angereisten Gruppe Theresa Zeisner (Bremen, Kategorie Chemie), Daniel Pflüger (Lüneburg, Kategorie Physik & Astronomie), Gabriel Salg (Hösbach, Kategorie Chemie) sowie das Gespann Leonard Bauersfeld und Marcel Neidinger (Lörrach, Kategorie Physik & Astronomie) aus. Zeisner wurde für ihre Arbeit rund um die dendritische Kristallisation von Salzen ausgezeichnet: Sie untersuchte unter dem Mikroskop, welche Salze dendritische Muster bilden. Ergebnis: Es spielen viele Faktoren eine Rolle, darunter Temperatur und Sättigung der Lösung. Pflüger hingegen überzeugte die ISEF-Preisrichter mit seiner Methode, Wasserwellen präzise zu messen.

Salg, der vor zwei Jahren bereits gemeinsam mit seinem damaligen Partner einen Grand Award einheimste, bekam auch dieses mal einen Grand Award (1000 Dollar Preisgeld, dritter Platz) verliehen. Der Schüler entwickelte ein Verfahren, um vom Krebs befallene Körperregionen durch ein Kontrastmittel erheblich besser kenntlich zu machen als bisher möglich. Leonard Bauersfeld und Marcel Neidinger erhielten auch einen Grand Award (zweiter Platz, 1500 Dollar). Ihr Projekt beantwortet die Frage, warum bei einem Experiment – ein Wasserglas wird über ein schwimmendes, brennendes Teelicht gestülpt – der Wasserspiegel steigt. (Uli Ries) / (ane)

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