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Deutsches Forschungsflugzeug HALO untersucht Klimawandel

Die Mission "Southtrac" untersucht auf der Südhalbkugel die Auswirkungen aktueller Ereignisse wie dem Abbrennen der Amazonaswälder auf den Klimawandel.

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Mit dem Forschungsflugzeug HALO soll der Klimawandel untersucht werden.

(Bild: DLR)

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Das deutsche Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range) erkundet auf der Südhalbkugel in zwei Test-Kampagnen im September und November den Zustand der Atmosphäre. HALO erhebt außerdem Daten, um Auswirkungen aktueller Ereignisse wie dem Abbrennen von Amazonaswäldern auf den Klimawandel zu ermitteln.

Darüber informiert das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einer Pressemitteilung. In der ersten Kampagne des Projektes "Southtrac" sollen Schwerewellen an der Südspitze Amerikas und über der Antarktis untersucht werden, in der zweiten Kampagne geht es um den Luftmassenaustausch zwischen Stratosphäre und Troposphäre. Während der Transferflüge in drei Etappen von Oberpfaffenhofen über die Kapverden bis nach Buenos Aires untersuchen die Forscher außerdem die Wirkungen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet.

Im Projekt Southtrac arbeiten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie des Forschungszentrums Jülich und der Universitäten Mainz und Frankfurt zusammen.

Zwar sind Treibhausgase schon seit Ende der 1980er-Jahre verboten, jedoch dauert die Erholung der Ozonschicht über der Antarktis noch viele Jahrzehnte. Wie sich diese "Heilungs-"Effekte auf den Klimawandel auswirken, ist ein Aspekt der Forschungsflüge.

Bei den Flügen werden laut DLR Fernerkundungsmethoden mit genauen Messungen am Flugzeug selbst kombiniert und diese dann mit Satellitendaten verglichen. Die HALO-Daten werden zusätzlich durch bodengestützte Messungen, etwa von Ballon-Radiosonden und Werte von einem Segelflugzeug ergänzt.

Für die Erforschung der Schwerewellen (die nichts mit Gravitationswellen zu tun haben!) sind zwei Mess-Stationen vorgesehen: eine im HALO-Flugzeug und eine andere mit Laser-Messtechnik am Boden. Per LIDAR (Light Detecting and Ranging) wird dabei die Rückstreuung ausgesendeter Signale erfasst und ausgewertet. Dabei ist während der Flüge ein Blick auf den Bereich von 15 bis 90 Kilometer Höhe möglich. Diese Zone ist laut Bernd Kaifler, verantwortlich für die Entwicklung und den Bau des Instruments, bislang nur unzureichend in Klimamodellen berücksichtigt, obwohl gerade hier Schwerewellen ihren Einluss auf das globale Zirkulationssystem entfalten.

Schwerewellen entstehen, wenn atmosphärische Zirkulationssysteme gestört werden. Sie zeigen sich als periodische Temperatur-, Druck- und Windschwankungen, die sich bis hinauf auf 90 Kilometer in die mittlere Atmosphäre, die Stratosphäre und Mesosphäre umfasst, ausbreiten. Dort wo starke Windsysteme auf hohe Gebirge treffen, werden sie ausgelöst. In Südamerika und in der Antarktisregion lässt sich das ideal beobachten, hoffen die Forscher. (mil)