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Deutschland Online mit IPv6

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Die Bundesregierung sieht Deutschland Online als eines von zwei strategischen Projekten der Öffentlichen Hand zur Einführung von IPv6. Das erklärte der IT-Direktor im Bundesinnenministerium, Martin Schallbruch, vor rund 50 Fachleuten, die derzeit auf dem "Deutschen IPv6-Gipfel" am Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) an der Universität Potsdam über Wege des Umstiegs auf das neue Internetprotokoll diskutieren. "Für uns ist die Einführung von IPv6 eine schiere Notwendigkeit", erläuterte Schallbruch. Ob die bundeseinheitliche 115-Behördenrufnummer, die Modernisierung des Meldewesen oder die geplante Einführung der biometrischen Personalausweise – fast jedes E-Government-Projekt sei heute ein Integrationsprojekt und benötige "eine solide Netzinfrastruktur". IPv6 schaffe angesichts der absehbaren Verknappung von IPv4-Adressen dafür "die Planungssicherheit, die wir brauchen".

Als Konsequenz einer bundesweiten Bestandsaufnahme der Kommunikationstechnik in den Behörden und Dienststellen im vergangenen Jahr – "die uns ein Stück weit erschreckt hat" – soll einem gemeinsamen Beschluss der Staatssekretäre von Bund und Ländern zufolge mit dem Vorhaben "Deutschland Online Infrastruktur" (DOI) ein nationaler Backbone für die behördliche Kommunikation über alle föderalen Ebenen hinweg geschaffen werden. Die technische Basis des Backbones zur Vernetzung der öffentlichen Verwaltungen wird eine Dual-Stack-Lösung sein, die intern die neue IPv6-Konnektivität einführt, nach außen hin jedoch die alte IPv4-Konnektivität bis auf Weiteres gewährleistet. Im Herbst soll dazu die Ausschreibung erfolgen, kündigte Schallbruch an. Und weil die Bundesregierung künftig als lokale Registry die IPv6-Adressvergabe für die öffentlichen Verwaltungen in Bund, Ländern und Gemeinden übernehmen werde, ist sie jetzt Mitglied der europäischen Internet-Adressverwaltung RIPE geworden.

Das zweite strategische Projekt wird der bis 2010 angestrebte Aufbau einer neuen Netzplattform für die Bundesverwaltung als Nachfolger des als Informationsverbund Berlin-Bonn gestarteten IVBB sein. "Auch da", betonte Schallbruch, "wird IPv6 verwendet werden". Mit den beiden Projekten solle "ein Signal für die technische Erneuerung über den öffentlichen Bereich hinaus" gegeben werden, und mit ihnen verbinde sich auch die Hoffnung, deutsche Firmen in diesem Bereich ein Stück weit voranzubringen. Bund, Länder und die rund 13 000 Kommunen geben nach Schallbruchs Angaben insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro jährlich für die Netzinfrastruktur aus.

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(Richard Sietmann) (jk)