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Deutschland hat bei Internet-Zugang per Glasfaser großen Aufholbedarf

Die Bundesrepublik hinkt laut einer Analyse fürs Wirtschaftsministerium bei superschnellen Internetanschlüssen hinterher, liegt im Vergleich mit 8 EU-Ländern auf dem letzten Platz. Bei den Umsätzen mit IT sieht es besser aus.

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Glasfaser

Die Glasfaserverbreitung bleibt in Deutschland unterdurchschnittlich. Mit einer Quote von lediglich einem Prozent rangiert die Bundesrepublik weit abgeschlagen an letzter Stelle im Vergleich zu acht anderen EU-Staaten. Die Breitbandpenetration insgesamt mit DSL und Kabel an der Spitze stabilisiert sich bei 34,6 Prozent der Bevölkerung. Dies geht aus der Studie "Monitoring Digitale Wirtschaft 2014" hervor, die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fürs Bundeswirtschaftsministerium erstellt hat.

Matthias Machnig von der SPD, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, beklagt, dass es um die "digitale Souveränität Europas" noch nicht gut stehe.

(Bild: Stefan Krempl / heise online)

Zügig angehen müssten Staat und Telekommunikationsfirmen den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze, betonte Projektleiter Tobias Weber im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse am Freitag in Berlin. In dem über 100-seitigen Report heißt es, dass Technologien wie der DSL-Turbo Vectoring zwar "verhältnismäßig schnelle Geschwindigkeiten" ermöglichten. Dies reiche aber "mittel- bis langfristig nicht aus". Unternehmen könnten sich das Ansiedeln in einem Land, das keine flächendeckende hochleistungsfähige Breitbandanbietung biete, nicht mehr leisten.

Mobiles Breitband werde helfen, den Ausbau zu beschleunigen, halten die Experten fest. Die Weiterentwicklung der entsprechenden Infrastrukturen müsse aber kontinuierlich erfolgen, um mit dem steigenden Datenbedarf Schritt zu halten.

Wertschöpfung

Besser steht es insgesamt um die Leistungsfähigkeit der Branche rund um die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) hierzulande. Im 15-Länder-Vergleich kann sich Deutschlands digitale Wirtschaft auf dem fünften Platz halten. Spitzenreiter bleiben die USA, gefolgt von Südkorea. Großbritannien kann in zentralen Bereichen punkten und hat sich gemeinsam mit Japan auf Rang drei vorgeschoben.

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Geschäftsmäßig liegt der Sektor in Deutschland zusammen mit Großbritannien auf dem vierten Platz. 4,3 Prozent der weltweiten IKT-Umsätze werden hierzulande erwirtschaftet. Mit über 91.000 Unternehmen und mehr als einer Million Beschäftigen stellt die Branche einen bedeutenden Zweig der deutschen Wirtschaft dar. Ihr Anteil an der gewerblichen Wertschöpfung liegt mit 4,7 Prozent gleichauf mit dem Automobilbau und sogar noch vor der Traditionsindustrie Maschinenbau. Mit Investitionen von 15,4 Milliarden Euro liegt die IKT-Branche in diesem Bereich ganz vorne.

Die Internetwirtschaft allein weist 2013 einen Wert von knapp 85 Milliarden Euro aus, die IKT-Branche insgesamt erwirtschaftete 226 Milliarden Euro. 2012 waren es vier Milliarden weniger, 2011 aber zwei Milliarden mehr. Zu den Umsatzschwankungen sollen vor allem Hardwarehersteller beigetragen haben, auch wenn sich die Entwicklung hier aktuell deutlich verbessere. IT-Dienstleister zeigten ein konstantes Wachstum.

Carriernöte

Sorgenkind sind die Telcos, deren Umsätze im Unterschied zum globalen Trend 2013 um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr sanken. Dies falle besonders schwer ins Gewicht angesichts der nötigen Investitionen in schnellere Netze, konstatierte Sabine Graumann von Infratest. Ferner müsse die Exportfähigkeit der deutschen IKT-Wirtschaft gestärkt werden: Der Anteil der Digitalbranche an allen Ausfuhren liege nur bei unterdurchschnittlichen neun Prozent.

Im gesamten Teilbereich Markt platziert sich Deutschland auf Platz sieben, bei der Infrastruktur auf Rang sechs. Beim Nutzen neuer Technologien und Anwendungen kann sich die Bundesrepublik um einen Zähler auf den fünften Platz verbessern. Vor allem beim E-Commerce und bei Musik-Downloads sind die Deutschen vergleichsweise weit vorn mit dabei. So kauften 32 Prozent der hiesigen Internetnutzer mindestens einmal pro Woche online ein, zudem lädt jeder Bundesbürger durchschnittlich zwei Musiktitel pro Jahr legal aus dem Netz.

Startup vs. Falldown

Neu gegründet worden sind in der IKT-Branche zwischen 2011 und 2013 etwa 7000 Startups pro Jahr. Bezogen auf den gesamten Firmenbestand entspricht dies einer Gründungsrate von 7,2 Prozent, was höher ist als in allen Vergleichsbranchen. Insgesamt ist die Dynamik aber rückläufig. So nahm die Anzahl der Gründungen im IKT-Sektor 2013 zum vierten Mal in Folge ab und sank unter das Niveau von 2008.

Abzüge verteilen die Forscher auch für E-Government-Angebote, wo Deutschland nur auf Platz zehn kommt. Entsprechende Dienste müssten konsequenter ausgebaut werden. Knapp 60 Prozent der hiesigen Onliner schützten sich zudem im Netz noch nicht ausreichend. Eine enge Zusammenarbeit aller relevanten Gruppen sei nötig, um das IT-Sicherheitsniveau zu erhöhen.

Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) bezeichnete die Informationstechnik als großen Innovationstreiber in der Wirtschaft. 70 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten deren strategische Bedeutung aber noch nicht erkannt, so dass man hier mit Informationszentren gegensteuern wolle. Die Ergebnisse zeigten auch, dass es um die "digitale Souveränität" Europas noch nicht gut stehe. Der alte Kontinent schwächele bei Komponenten wie Soft- und Hardware, die für zukunftsfähige IKT wichtig seien. Auch bei Standards dominierten US-Firmen das Feld. (jk)

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